Leverkusen: Swingende Improvisation
VON OLAF WEIDEN - zuletzt aktualisiert: 04.11.2008Leverkusen (RPO). Bei den Leverkusener Jazztagen ging es diesmal um „All that Jazz“. Für musikalische Vielfalt sorgten „The Headhunters“, „Step Ahead“ und David Sanchez.
Zehn Zentimeter über dem Boden war Schluss mit dem Tiefflug der Schnellfeuergitarre von Bryan Baker, dem Gitarristen der Mike Mainieri-Band „Steps Ahead“ auf den Leverkusener Jazztagen. Ein Rockgitarrist hätte das Instrument zur letzten Steigerung mit Sicherheit auf dem Verstärker zerprügelt.
Spannungen der angenehmen Art
Beim „All that Jazz“-Abend herrschte ausgewogen friedliche Stimmung, die Veranstaltung war gut besucht, und Spannungen gab es nur auf der Bühne. Es waren Spannungen der angenehmen Art. Den Auftakt spielte David Sanchez, ein Saxophonist aus Puerto Rico, dessen Quartett von enger musikalischer Kommunikation lebt. Der Saxer besucht seine Mitspieler auf der Bühne und bläst ihnen einen frischen Sound ins Gesicht.
Maceo Parker kommt
Bei den 29. Leverkusener Jazztagen wird morgen, Mittwoch, ab 19.30 Uhr Maceo Parker im Forum auftreten. Außerdem werden die WDR Big Band und auch noch die David Sanborn Group für Musik sorgen.
Karten für die Veranstaltung „Sax World“ gibt es noch an der Abendkasse.
Besonders sein Gitarrist Lage Lund zauberte aus seiner Jazzgitarre einen feinen trockenen Sound und saubere, swingende Improvisation. Natürlich waren auch die südamerikanischen Einflüsse im Rhythmus spürbar. Mit „Steps Ahead“ rutschte das gute Niveau noch eine Spielklasse nach oben.
Der amerikanische Vibraphonist versammelte in seiner Karriere schon viele große Namen um sich, ganz aktuell begrüßte er den deutschen Medienjazzstar Till Brönner. Der große Trompeter konnte allerdings nicht aus der Schar seiner Mitspieler hervor ragen, weil diese alle erstklassige individuelle Jazzkünstler sind. Rodney Holmes trommelte Wirbelwinde wie einst Billy Cobham, nur mit einer einzigartigen Lockerkeit.
Etienne Mpappe, der Bassist mit den Lederhandschuhen, knackte ein imposantes Funky-Solo aus seinem E-Bass. Saxophonist Donny McCaslin bestach als herrlicher Geschichtenerzähler, der in jedem Stück erneut die Zuhörer mit auf eine imaginäre Reise mit hitzigem Ausgang nahm.
Als Ruhepol schwangen die Vibraphontöne des Bandchefs unter den Soli, der Mann mit der Guru-Kappe liebt die Kollision von Jazz und Rock, und Gitarrist Bryan Baker fand dafür die schrägen Sounds auf seiner E-Gitarre. „Steps Ahead“ boten eine knackig frische Musik mit den Weihen ihres weisen Mentors Mainieri.
Dass Herbie Hancock vor mehr als 30 Jahren bei der Band „Headhunters“ gespielt hat, ist natürlich heute nicht mehr spürbar, wird aber als Großverdienst der Band angepriesen. Viel mehr hatten die Herren um Drummer Mike Clark und Perkussionist Bill Summers auch nicht zu melden. Sie boten einen Antik-Jazzrock mit schummrigen E-Piano-Tönen von Jerry Z, der als vom Veranstalter gedachtes Highlight des Abends langsam vor sich hin plätscherte. Das Erfreuliche für Jazzohren überwog aber an diesem Jazzabend.
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