Leverkusen: „Tatort“-Polizisten helfen Slumkindern
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 22.10.2007Leverkusen (RPO). Wenn Dietmar Bär über seine Erlebnisse auf den Philippinen spricht, dann wird der TV-Kommissar sehr nachdenklich. Die Dreharbeiten zum „Tatort“ Manila vor etwas mehr als zehn Jahren haben ihn und das Filmteam so beeindruckt, dass sie einen Verein gegründet haben.
„Wir waren dazu in den Slums von Manila. Die Zustände sind so schlimm. Da relativieren sich alle Sorgen, die wir hier in Europa haben“, betonte Bär. Beim Kölner AlpinTag im Leverkusener Forum stellte er mit Joe Bausch die Arbeit des Vereins „Tatort – Straßen der Welt“ vor. Zu dessen Gunsten wurden Bilder von Achttausendern verkauft.
Seit rund zwei Jahren kümmern sich Bär, Bausch und ihr TV-Kollege Klaus J. Behrendt mit besonders viel Engagement um inhaftierte Straßenkinder auf den Philippinen. Zu der Arbeit gehörte auch der Besuch eines Gefängnisses vor Ort. „Das war unbeschreiblich schlimm“, meinte Bär. „Tatort“-Gerichtsmediziner Bausch – im wahren Leben Gefängnisarzt – wählt noch drastischere Worte.
„Hygiene? Das Wort kennen die dort nicht. Wenn schon ein Wort mit H zutreffend ist, dann Hautkrankheit. Krätze, Tuberkulose, Malaria – die Situation ist unsäglich und unzumutbar“, sagte er. Zumal viele der Kinder wegen Bagatell-Delikten verhaftet werden und monatelang im Gefängnis bleiben. Pater Shay Cullen, mit dessen Preda-Stiftung der Verein zusammen arbeitet, hat die Deutschen auf die Situation aufmerksam gemacht. „Er macht die meiste Arbeit. Wir sind nur die Aushängeschilder“, erklärte Bär.
Doch der Einsatz von Prominenten kann durchaus etwas bewirken. Das große Interesse aus Europa hat immerhin dazu geführt, dass per Gesetz das Mindestalter für Häftlinge von neun auf 15 Jahre hochgesetzt wurde. Bär und Bausch schwebt neben dem Einsatz für die Gefängnis-Kinder auch ein Ausbau der von Preda betriebenen Auffangeinrichtung vor, in der die Jungen und Mädchen bei Bedarf eine Therapie bekommen, ein Dach über dem Kopf haben und eine Ausbildung absolvieren können, mit deren Hilfe sie später ihre ganze Familie ernähren können. „Wir stellen uns so etwas wie Dorfstrukturen vor. Das wäre toll“, sagten beide unisono.
Da rückte Bärs zweite Herzensangelegenheit, deretwegen er in Leverkusen weilte, ganz deutlich in den Hintergrund. Das Vereinsmitglied von Dortmund sah vor seinem AlpinTag-Besuch das 2:2 der Borussen in der BayArena.
Knast-Kinder-Spendenkonto 666 666 des Vereins „Tatort – Straßen der Welt“ bei der Sparda-Bank West (Bankleitzahl: 370 605 90).
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