Leverkusen: Tödlicher Zeitverlust
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 29.10.2007Leverkusen (RPO). Wenn es brennt, Menschen in Not sind, gefährlicher Rauch durch die Wohnungen dringt, dann zählt jede Sekunde. Ebenso beim Herzinfarkt. Kommen die Retter wegen zugestellter Rettungswege nicht durch, wird es eng für die Opfer.
Ganz schön eng sieht die Stelle vom erhöhten Sitzplatz aus. Beidseits der Potsdamer Straße (Mathildenhof) haben Autos so geparkt, dass das Tanklöschfahrzeug (TLF) der Feuerwehr nur ganz langsam und behutsam vorbeikommt. „Unser Drehleiter-Fahrzeug ist länger und hätte das nicht geschafft“, sagt Gerd Kortschlag.
Die Besatzung hätte im Ernstfall herausspringen und mindestens einen der Pkw wegheben müssen. „Das kostet selbst im günstigsten Fall eine Minute. Wenn es in einem der Häuser hier brennen würde, kann das Menschenleben kosten“, betont der Wachführer der Berufsfeuerwehr. Problemstellen wie diese nimmt er sich mit Peter Mantler vom Straßenverkehrsamt bei dieser Rundfahrt durch den Stadtbezirk III vor.
Verbote ohne Schild
„Aber da war doch kein Schild und keine Markierung auf der Fahrbahn“, beteuern Autofahrer immer öfter. Dennoch: Auch ohne Markierung darf nicht überall geparkt werden: Halteverbot gilt auch ohne besondere Beschilderung grundsätzlich unter anderem im Abstand von fünf Metern zu Einmündungen und Kreuzungen oder in engen Straßen, wenn durch einen parkenden Pkw weniger als 3,10 Meter Straßenbreite frei bleiben, sagt der der Gesetzgeber.
Das Gespräch an der Engstelle lockt Dr. Sigrid Kley-Müller und ihren Mann an. „Das ist keine Ausnahme. So sieht es hier jeden Abend aus“, sagt die Ärztin. Sie hat ihre Praxis wenige Meter entfernt und hatte dort selbst schon mit Falschparkern zu tun. „Einmal musste ich bei einem Notfall einen Patienten sogar mit meinem Privatauto transportieren, weil der Krankenwagen hier nicht mehr durchkam“, sagt sie. Der Fall ging glimpflich aus.
Auch bei Einsätzen der Feuerwehr im Stadtgebiet ist nach Wissen von Kortschlag noch kein Mensch ums Leben gekommen wegen eines Falschparkers. „Das ist allerdings pures Glück. Denn aufgehalten werden wir immer wieder. Viele Autofahrer sind sich gar nicht bewusst, welche Folgen es haben kann, wenn ihr Wagen im Weg steht“, glaubt der Wachführer Süd. Wie bei den bisherigen Rundfahrten dieser Art wird auch diese Konsequenzen haben. Am Engpass an der Potsdamer Straße werden in Kürze Sperrflächen markiert. „Leider verstehen viele Autofahrer das sonst nicht. Es braucht keine Markierungen oder Schilder für ein Halteverbot“, sagt Mantler.
Schon kurz nach dem Aufbruch von der ersten Problemstelle wird wieder angehalten. Zwei Querstraßen des Theodor-Heuss-Rings in Steinbüchel machen Sorgen. „Dort kommt nicht einmal das Tanklöschfahrzeug rein, weil die Wagen zu nah an die Einmündung heran geparkt wurden“, sind sich die beiden Experten von Feuerwehr und Straßenverkehrsamt einig.
Zwar handelt es sich hier um Privatstraßen. Doch Einsatzkräfte müssen auch dort durchkommen. Deshalb will sich Mantler mit den Wohnungsgesellschaften in Verbindung setzen, denen die Straßen gehören. „Sie müssen dann sehen, wie sie die Situation beheben. Wir werden die Umsetzung auf jeden Fall kontrollieren“, kündigt er schon einmal an.
Positive Nachrichten gibt es aus dem Stadtteil Lützenkirchen. Der Sport- und Spiel-Verein (SSV), Nutzer des Sportplatzes Auf dem Bruch, will einen zusätzlichen Parkplatz einrichten. „Das ist sehr gut, denn gerade bei Spielen war dort bislang auch kein Durchkommen“, sagt Mantler.
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