Leverkusen: Totschlagsprozess: fatale Heimkehr des Opfers
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009Leverkusen (RPO). Seine Mutter hat sich nicht von ihm abgewendet. Im Gegenteil: Während ihres kurzen Aufenthalts im Gerichtssaal sucht sie ständig Blickkontakt mit ihrem Sohn. Mit den Worten "Ich habe nicht die Kraft, ich kann nicht mehr" verweigert sie die Aussage und wirft im Hinausgehen einen Handkuss in Richtung Anklagebank.
Fast 20 Jahre verheiratet
Aber auch an Verhandlungstag drei kam Einiges ans Licht über das Wesen des 43-jährigen Schlebuschers, der zugegeben hat, im Oktober 2008 seine Frau mit bloßen Händen erwürgt zu haben. Mit solcher Kraft muss er vorgegangen sein, ergänzt ein Gutachter, dass er seinem Opfer den Kehlkopf brach. Wenige Tage zuvor soll er die damals 38-Jährige geschlagen und vergewaltigt haben.
Fast 20 Jahre war das Paar verheiratet. Aber Zeugen malen das Bild einer zuletzt völlig zerrütteten Beziehung. "Nach außen hat er versucht, die Fassade zu wahren", berichtet ein ehemaliger Arbeitskollege des Angeklagten. Nach innen scheint die Ehe ein Scherbenhaufen gewesen zu sein. Streit, Eifersucht, gegenseitiges Nachspionieren, womöglich auch Schläge sollen das Eheleben in den letzten Monaten dominiert haben.
Eine (von mehreren) seiner ehemaligen Geliebten schildert den Richtern von ihrer Beziehung mit dem 43-Jährigen. Die 36-Jährige zählte zum Bekanntenkreis der Familie, bis sie und der Angeklagte sich Anfang 2008 näher gekommen seien. "Er war charmant, freundlich, ruhig", sagt die Frau. Aber er habe auch "sehr zielgerichtet" ein Verhältnis mit mir angestrebt: "Ich hatte nie den Eindruck, dass ich ihm wirklich wichtig war."
Die Ehefrau habe gewusst, dass ihr Mann fremd geht. Das sagt eine ihrer Freundinnen aus. Ihr hatte sich das Opfer wegen der Vergewaltigung anvertraut. "Es blieb dabei wohl beim Versuch", sagt die Zeugin, berichtet aber gleichzeitig, dass sich der 43-Jährige in der Vergangenheit über seine Frau hergemacht haben soll.
Im Frauenhaus informiert
Kurz vor dem Tod der 38-Jährigen habe man sich gemeinsam im Leverkusener Frauenhaus über die Möglichkeiten für den Fall der Trennung informiert. "Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass sie sich wirklich trennen würde", erzählt die Freundin des Opfers. "Zwar wollte sie auf der einen Seite so nicht mehr leben. Auf der anderen Seite wollte sie nicht die Familie zerstören." Also sei sie nach Hause zurückgekehrt – einen Tag später war die Frau tot.
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