Leverkusen: Transvestit Mahlsdorf: "Ich war nie ich"
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 05.05.2009Leverkusen (RPO). Sie war eine schillernde und tragische Figur. Charlotte von Mahlsdorf (Lothar Berfelde) schrieb als populärster Transvestit der DDR Geschichte. Eigentlich Geschichten, denn um die Person ranken sich unterschiedlichste Einschätzungen, nie wurde beantwortet, was wahr oder unwahr ist. Sie sagte von sich: "Ich war nie ich." Das darf man glauben nach der Aufführung des Stückes "Ich mach ja doch, was ich will", mit dem der amerikanische Autor Doug Wright der Charlotte ein Denkmal setzte, das ihr gerade deswegen nahe kommt, weil es mehrere Wahrheiten nebeneinander stellt. Zwei Mal war die Produktion des Berliner Renaissance Theaters auf Einladung der Kulturabteilung Bayer im Erholungshaus zu sehen.
Dominique Horwitz, der in diesem Einpersonenstück die Figur in allen Schattierungen ausleuchtet und dabei auch schnell in die Rollen ihrer Weggefährten und Widersacher schlüpft, wurde am Ende mit frenetischem Applaus gefeiert.
Er faszinierte und fesselte das Publikum über zwei Stunden mit einem Balanceakt zwischen Spiel und Dokumentation, Tragik und Humor. Die Bühne betrat er durch den Saal, verwandelte sich vor den Augen der Zuschauer vom Biografen und Theaterautor in eine alte Dame, von der eines mit Bestimmtheit gesagt werden kann: Sie war besessen vom Gedanken, Möbel und Accessoires der Gründerzeit zu sammeln.
Mit den trippelnden Schritten einer Seniorin, die Hände in typischer Haltung vor dem Bauch verschränkt, führte Horwitz sein Publikum durch die Sammlung, die Charlotte in einem leeren, vom Verfall bedrohten Mahlsdorfer Gutshaus untergebracht hatte, das 2004 – zwei Jahre nach ihrem Tod – als Museum der Stadt Berlin eröffnet wurde. Dabei wich Horwitz schon mal kurz vom vorgegebenen Text ab, um direkt mit den Zuschauern Kontakt aufzunehmen. Mit der elfjährigen Jasmin in der ersten Reihe beispielsweise, der er besondere Stücke wie den Walzen abspielenden Phonographen oder das alte Grammophon exklusiv vorführte.
Immer wieder trat er aus der Rolle heraus und übernahm auch den Gegenpart der Dialoge. Ohne äußerliche Veränderung, nur eine andere Stimme und Haltung einnehmend. Auf diese Weise wurde ganz schlicht deutlich, dass sich mit dem Gegenüber auch das Bild von der changierenden Hauptperson wandelt, die ihre Geschichte so zusammenfasst: "Ich habe keine Probleme, Probleme haben immer die anderen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






