Rheindorf: Trommeln statt Mathematik
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 23.10.2008Rheindorf (RPO). Das Programm MUS-E der Yehudi Menuhin Stiftung stieß gestern in der Gemeinschaftsgrundschule Masurenstraße auf großes Interesse. Das außergewöhnliche Bildungsangebot geht einmal ganz andere Wege.
Gezielte Förderung
Vor zehn Jahren wurde das Programm MUS-E ins Leben gerufen, um über die kontinuierliche Arbeit mit Künstlern gezielt die Persönlichkeit von Kindern zu fördern. Dazu gehören Kreativität, künstlerische Ausdrucksfähigkeit und soziale Kompetenz. In 77 Städten läuft MUS-E inzwischen.
„Dienstag ist bei uns immer MUS-E Tag“, erzählt Ilona Veverka, Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule Masurenstraße. Dann stehen für vier Klassen der Stufen eins und zwei statt Lesen und Mathe Fächer wie Trommeln oder Theater auf dem Stundenplan. Und federführend sind dann nicht die Lehrer, die das Ganze nur begleiten und beobachten, sondern ausgebildete Künstler.
Keine übliche Wissensvermittlung
Sie nehmen teil an dem Programm MUS-E der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland. Außerdem kommen zwei Klassen der GGS Löwenzahnschule in den Genuss dieses außergewöhnlichen Bildungsangebotes, das einmal andere Wege geht als die übliche Wissensvermittlung. Hier gibt es keine Noten, und die Lernziele sind längerfristig angelegt. Hier geht es vor allem um die Entwicklung von Kreativität und sozialen Kompetenzen. Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Lernen und für späteren beruflichen Erfolg.
„Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen“ war die Devise von Musiker und MUS-E-Begründer Menuhin, der am liebsten schon vor der Einschulung ansetzen wollte. So sinnvoll MUS-E bereits im Kindergarten wäre, die Umsetzung scheiterte schlicht an der Finanzierung. Denn das Ganze wird gefördert vom NRW-Ministerium für Bauen und Verkehr im Rahmen des Programms Soziale Stadt, in das zwar Schulen, aber nicht Kindergärten integriert sind. MUS-E ist nicht als Projekt angelegt, sondern ein Programm, das auf Nachhaltigkeit setzt.
Drei Jahre lang nehmen die beteiligten Klassen daran teil, und Ziel ist, dass eine künstlerische Arbeit später im Stadtteil, in diesem Fall im Programm Soziale Stadt Rheindorf, fortgesetzt wird. „Die anderen Klassen sind schon ganz neidisch und wir mussten für sie Ersatz schaffen, erzählt Ilona Veverka. Denn die MUS-E-Klassen fiebern schon montags dem nächsten Schultag entgegen.
Ausgesprochen positive Erfahrungen haben auch die beteiligten Künstler gemacht. Der Komponist Dario Erlichmann war mit MUS-E bereits drei Jahre an einer anderen Schule, bevor er nach den Sommerferien in der Löwenzahnschule startete. „Ich habe nicht das Gefühl zu unterrichten“, sagt der Künstler, der in seiner Heimat Argentinien auch als Lehrer tätig war. „Ich bringe den Kindern nichts bei!“ behauptet er. Er mache Angebote und plötzlich entstehe Chaos, das er zunächst zulasse . „Hauptsache, wir kommen zurück auf die Aufgabe.“
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