Rheindorf: Tschechows Möwe in Rheindorf
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 06.02.2010Rheindorf (RPO). Die kleine, eifrige Theater-AG der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule bringt die Tragödie des russischen Schriftstellers auf die Bühne. Um die dauerhafte Aussage des Stückes zu transportieren, spielt die Handlung in der Zeit der 68er.
Gelbes Licht vermittelt das Gefühl von Sonne und schwüler Hitze, die alle Personen irgendwie lethargisch und schwer macht. Dazu erklingt "Summertime", nicht die ältere Variante von George Gershwin, sondern die der späten 60er Jahre von Janis Joplin. Man befindet sich mitten in der Phase des Flowerpower, was unschwer an Bühnendekoration, Kleidung und Haarpracht der Akteure zu erkennen ist. Das mag zunächst irritieren, denn auf dem Programm des Premierenabends im Pädagogischen Zentrum der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule stand gestern "Die Möwe" von Anton Tschechow.
Keine historische Wiedergabe
Das war der erste Streich der kleinen, aber eifrigen Theater AG unter der Leitung von Lehrer Lamby Georgopoulos. In seiner Inszenierung hat man auf jede Form von historisierender Wiedergabe verzichtet, wollte lieber die fortwährend gültige Aussage des Dramas zeigen. Deswegen transportierte man die Handlung vom Landleben im zaristischen Russland Ende des 19. Jahrhunderts rund 70 Jahre in die Zukunft. In "Die Möwe" geht es um Sinnsuche und Lebensmodelle. Genau das bewegte auch die 68er, als sie rigoros mit Traditionen aufräumten und sich eine bunte und blumige Welt schufen. Um diese Aussage geht es den acht Oberstufenschülern in der Theatergruppe, die das Tschechow-Stück aus insgesamt fünf klassischen beziehungsweise modernen Vorlagen wählte. Es war eine bewusste Entscheidung, denn zuvor hatten sie aus allen Lehrervorschlägen jeweils eine Szene erarbeitet.
Kreatives Lernen
"Theater am Deichtor" heißt das neue Format in der Rheindorfer Gesamtschule. Unter dieser Überschrift werden künftig weitere Theatervorstellungen oder andere Kulturabende stattfinden. Kreativität und die künstlerische Auseinandersetzung mit Lebensfragen gehören erklärtermaßen zum festen Bestandteil der Schule. Das Konzept beginnt in der Sekundarstufe I mit dem Wahlpflichtfach "Darstellen und Gestalten". Die Theatergruppe trifft sich auf freiwilliger Basis als AG.
Die größte Herausforderung, die Tschechows Tragödie an ein Laienensemble stellt, ist die Notwendigkeit einer gut inszenierten Langsamkeit. Die sommerliche Langeweile auf dem Landsitz soll spürbar werden, ohne das Publikum zum Gähnen zu reizen. Abgesehen von der Tatsache, dass der beschleunigte Pulsschlag bei einer Aufführung ohnehin für schnellere Sprache sorgt, benutzen die Schüler da einen kleinen Trick.
Erste Bühnen-Begegnung
Gleich zu Anfang werden Dialoge in kleine Abschnitte gesplittet, dazwischen immer wieder die Musik lauter gedreht. Das hält Spannung und vermittelt zugleich eine Verzögerung des normalen Lebensrhythmus. Für die Darsteller ist die Produktion, die gestern Abend Premiere feierte, die erste Begegnung mit der Bühne und für die Hälfte der Gruppe ist es, zumindest in der Schule, schon die letzte, weil sie demnächst Abitur macht. Die anderen haben die Möglichkeit, diese ersten ernsten Bühnenerfahrungen zu nutzen und auszubauen. Denn die Theater-AG für Oberstufe wird fortgesetzt.
"Die Möwe" von Anton Tschechow wird am Montag, 8. Februar, um 19 Uhr noch einmal im PZ der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule aufgeführt.
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