Leverkusen: Turbulentes, männerfressendes Stück
VON BARBARA SCHMICKLER - zuletzt aktualisiert: 24.05.2008Leverkusen (RPO). Eine alte Dame mit glänzenden Perlenohrringen, silbernen Absatzschuhen, Netzstrumpfhose und Pelzmantel stolziert über die Bühne: „Ich schenke eine Milliarde und kaufe mir dafür die Gerechtigkeit.“
Nicht nur um viel Geld geht es bei der Aufführung der Theater AG „Bühnenkunst des Freiherr-vom Stein-Gymnasiums“, die das Stück „Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt aufführt.
„Das Stück ist eine Tragikomödie mit komischen Zügen“, erklärt Lehrer und Regisseur Gero Schmidt. Die 25 mitwirkenden Schüler spielen das Stück nicht traditionell mit tragischem Ende, sondern stellen zynische und groteske Züge in den Vordergrund. Besonders sei auch, dass der bei Aufführungen oft weggelassene Schlusschor gespielt wird.
Bevor es dazu kommt, geschieht einiges: Die Kleinstadt Güllen bekommt Besuch von der alten Dame Claire Zachanassian, gespielt von Abiturientin Laura Herrmann (19). Als junges, armes Mädchen lebte Claire in der kurz vor dem Bankrott stehenden Stadt. „Die alte Dame musste viele Jahre zuvor in Schimpf und Schande aus der Stadt verschwinden, ist im Bordell gelandet, hat dann einen Millionär geheiratet und kehrt steinreich zurück nach Güllen“, erklärt Schmidt.
Sie kommt nicht ohne Grund zurück: Die alte Dame möchte Gerechtigkeit und ihre Jugendliebe Alfred aus Güllen zur Rechenschaft ziehen. Denn sie macht ihn für ihr Schicksal verantwortlich: „Ich bin bereit, Güllen eine Milliarde zu schenken“, ruft sie im kleinen Schwarzen aus. Zunächst sind die Bürger der Stadt begeistert, doch dann stellt Claire eine Bedingung: Zuvor soll Alfred getötet werden. „Im Namen der Menschlichkeit“ lehnt der Bürgermeister das Angebot ab, aber die alte Dame will warten.
Lange bleiben die Güllener nicht auf ihrem Standpunkt: Immer verlockender klingt das Angebot, das die Stadt vor dem finanziellen Ruin retten würde. So zieht sich die Schlinge um Alfreds Hals immer enger. Bedrückt muss er im Dialog mit der Dorfpolizistin feststellen: „Sie wartet. Ihr alle wartet.“ Bei einer Priesterin sucht er Rat, als die Glocke des Verrats bereits läutet und er feststellen muss: „Ich bin verloren.“ Währenddessen lässt sich die alte Dame ununterbrochen von ihren Bodyguards Whiskey einschenken, Zigaretten anstecken und massieren.
„Meine Rolle finde ich richtig gut“, sagt Herrmann, die die alte Dame verkörpert und fährt fort: „Es hat was, ein Hass erfülltes, männerfressendes Stück zu spielen.“ Ob sie es aber schafft, ihre Gerechtigkeit zu kaufen und sich so mit ihrer Vergangenheit aussöhnt, bleibt bis zum „Besuch der alten Dame“ im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ein Geheimnis.
Aufführungen Die Theater-AG „Bühnenkunst“ präsentiert Friedrich Dürrenmatts Stück „Der Besuch der alten Dame“ noch am 25. und 26. Mai jeweils um 19.30 Uhr in der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Schlebusch. Karten gibt es an der Abendkasse für fünf, ermäßigt für drei Euro.
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