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Leverkusen: Typ 170 lockt die Gäste an

VON MARION MEYER - zuletzt aktualisiert: 23.07.2010

Leverkusen (RPO). Ein schwarzer, verbeulter, verrosteter Mercedes-Benz ist der Hingucker am Museum Morsbroich. Er gehört zur Ausstellung über Wolf Vostell, der ein solches Auto 1963 mit einem Zug zusammenkrachen ließ.

Wuppertal im Jahr 1963: Der Leverkusener Maler, Bildhauer und Happeningkünstler Wolf Vostell nimmt einen Bus voll Leute auf eine abenteuerliche Fahrt mit neun Stationen. Station Nummer zwei führt die nichtsahnenden Menschen an ein Bahngleis.

Dort steht ein alter Mercedes-Benz Typ 170. Auf einmal nähert sich eine Lokomotive. Sie bremst nicht, sondern fährt ungehindert auf den schwarzen Wagen auf. Es kracht, es quietscht, Blech verbiegt sich, Funken fliegen. Die Zuschauer sind geschockt, wissen nicht, wie ihnen geschieht. Kurz danach reicht Vostell ihnen Pralinen.

Rekonstruktion statt Original

Info

Bis 15. August

Die Vostell-Ausstellung ist bis 15. August zu sehen. Zeiten: 11 bis 17 Uhr, donnerstags 11 bis 21 Uhr, montags geschlossen. Öffentliche Führungen: sonntags um 15 Uhr, Gruppenführungen nach Vereinbarung (Tel. 0214 855560).

Da Happenings nicht konservierbar sind, lebt eine Ausstellung über den Künstler Vostell von den Fotos und Dingen, die von der Aktionskunst erzählen. Der Mercedes 170, der zurzeit rechts neben dem Eingang zum Museum Morsbroich "parkt", ist ein sehr eindringliches Beispiel: Die eine Seite ist völlig verbeult und verrostet, die Fensterscheiben fehlen. Immer wieder bleiben die Besucher stehen und fotografieren den Oldtimer, egal ob Kunstliebhaber oder Autofreak.

Was sie wahrscheinlich nicht wissen: Der Wagen ist gar nicht der originale aus dem Happening von 1963. "Vostell hat ihn rekonstruieren lassen", verrät Fritz Emslander, stellvertretender Direktor des Museums Morsbroich. Damals habe Vostell noch nicht die Möglichkeit gehabt, seine Objekte alle einzulagern. Der schwarze Mercedes 170, eine Baureihe, die von 1936 bis 1953 hergestellt wurde, gehört der Vostell-Familie in Spanien und wird auch dorthin nach dem Ende der derzeitigen Ausstellung zurückkehren.

"Absurde Gleichzeitigkeiten"

Der Wagen sei "ein richtiger Magnet" und ein gutes Instrument, um Leute neugierig zu machen, sagt Emslander, der die Vostell-Ausstellung kuratiert hat. Aus seinem Bürofenster gegenüber könne er beobachten, wie die Museumsbesucher immer davor stehen bleiben und das Unfall-Auto fotografieren. Es steht auf einem Stück Gleis, das extra für diese Ausstellung von der Bahn angefertigt wurde, um das Happening auf dem Bahndamm nachvollziehbar zu machen.

Die ganze Skulptur ist videoüberwacht, aber bisher sei noch nichts passiert, so Emslander. Bei schlimmem Sturm mit Regen wird der Mercedes durch eine Plane geschützt.

"Neun Dé-Collagen" nannte Vostell (1932-1998) sein Happening in Wuppertal. "Dé-Collagen deshalb, weil der Künstler immer etwas aus einem Gesamtzusammenhang herauslösen, es ästhetisieren wollte, um eine neue Sicht darauf zu ermöglichen", erklärt der stellvertretende Museumsdirektor.

Die Pralinen, die nach dem Schock des Zusammenpralls mit der Lok gereicht wurden, gehören für Emslander zu den typisch Vostellschen "absurden Gleichzeitigkeiten". Durch Kontraste wollte der Künstler den Leuten die Augen öffnen. Pralinen sucht man in der Ausstellung allerdings vergebens.

www.museum-morsbroich.de

Quelle: RP

 
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