Leverkusen: Überfall in der Bahnhofstraße
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 01.12.2010Leverkusen (RPO). Am Landgericht Köln begann am Dienstag der Prozess gegen Oleg G. (39). Der hatte im Mai in der Opladener Fußgängerzone einen 25-Jährigen niedergestochen und seinen Tod "billigend in Kauf genommen".
Seit dem 31. Mai sitzt Oleg G. in Untersuchungshaft. Der 39-Jährige soll am 30. Mai in der Opladener Fußgängerzone versucht haben, "einen Menschen zu töten, ohne Mörder zu sein". So lautet die Anklage gegen den Leverkusener. Dahinter verbirgt sich ein unglaublich brutaler Überfall, bei dem der Angeklagte "den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen hat", sagt der Staatsanwalt.
Angeklagter will aussagen
Am Dienstag begann vor dem Landgericht Köln der Prozess gegen Oleg G.. Weil aber der psychiatrische Gutachter erst am morgigen Donnerstag zur Verfügung steht, dauerte der erste Verhandlungstag keine zehn Minuten. Mit dünnem Stimmchen erzählte der Angeklagte kurz seinen Werdegang (Hauptschule bis zur achten Klasse in Kirgisien, danach Berufsschule mit Ausbildung zum Installateur, dann zum Militär), und Rechtsanwalt Robert Stach erklärte, sein Mandant wolle sich "voll umfänglich" zur Sache äußern.
"Die Sache" ist Folgendes: Am 30. Mai gegen 0.50 Uhr war der gebürtige Kirgise, der seit 1994 in Deutschland lebt, auf der Bahnhofstraße in Opladen mit einem 25-Jährigen in Streit geraten. Die beiden waren zuvor bei einer privaten Party gewesen, bekamen sich dort schon in die Haare.
Auf der Straße in Höhe des dortigen Kiosks dann eskalierte die Situation. Der Angeklagte zückte ein 16 Zentimeter langes Küchenmesser, stach es seinem Opfer unterm linken Schulterblatt in den Rücken. Allein das war schon eine lebensgefährliche Verletzung, acht Zentimeter tief fuhr das Messer in den Rücken des Opfers. Der 25-Jährige sackte zusammen. Bevor er aber den Boden berührte, packte der Angeklagte sein Opfer am Schopf, hielt ihm das Messer an den Hals.
Als der Mann merkte, dass er die stumpfe Seite an den Hals hielt und somit nicht schneiden konnte, drehte er das Messer um und setzte erneut an. Ein Zeuge (39), der zufällig vorbeikam, griff ein, entriss Oleg G. die Waffe und rief die Polizei. Die Beamten konnten den Kirgisen in der Nähe des Tatorts festnehmen. Sein Opfer wurde ins Krankenhaus gebracht, rang zwei Tage lang mit dem Tod. Ein Atemalkoholtest bei Oleg G. ergab einen Wert von mehr als zwei Promille.
Bis zu 15 Jahre Haft
Der psychiatrische Gutachter soll am Donnerstag darüber Auskunft geben, ob und inwieweit Oleg G. zur Tatzeit zurechnungsfähig gewesen sei. Bei einer Verurteilung wegen versuchtem Totschlags drohen dem 39-Jährigen zwischen fünf und 15 Jahre Haft. Sollte das Gericht aber mildernde Umstände erkennen, etwa weil der Angeklagte geständig ist oder durch Alkoholkonsum nicht ganz Herr seiner Sinne, kann die Strafe auf sechs Monate bis 11 Jahre und drei Monate gemildert werden.
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