Leverkusen: Viel Dreck unterm Teppich
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 22.08.2009Leverkusen (RPO). Acht junge lateinamerikanische Künstler haben ganz alltägliche Materialien zweckentfremdet, um daraus Objekte und Installationen für die aktuelle Ausstellung im Museum Morsbroich zu schaffen.
SCHLEBUSCH Nanu, wird hoher Besuch im Schloss erwartet oder ist er gar schon da? Die erste Irritation ist erwünscht, denn wer die Treppen zum Museum empor schreitet, befindet sich bereits in der neuen Ausstellung "Revolutionen des Alltäglichen – zeitgenössische lateinamerikanische Kunst". Und wer den roten Läufer aufmerksam abgeht, wird bemerken, dass der nicht ordentlich geglättet ist, sondern uneben. Denn Künstler Wilfredo Prieto hat sich größte Mühe gegeben, eine Menge Dreck unter seinen Teppich zu kehren.
Bröckelnder Putz
Glenda León sorgt noch im Foyer für weitere Irritation. Sie überstrich eine Wand dick mit himmelblauer Farbe und bröselte Teile in Wolkenform heraus. Eigentlich ein idyllisches Bild, das jedoch durch den bröckeligem Putz die Vergänglichkeit hervorhebt. Um klassische Präsentationsformen in der Kunstgeschichte ging es Alexandre Da Cunha, indem er beispielsweise ein großes Mobile im ersten Raum installierte, das an Calder erinnert. Er baute sein chromglänzendes Gebilde allerdings aus dünnen Vorhangstangen und hängte kleine Backbleche daran.
Eröffnung am Sonntag
Kuratorin Dr. Stefanie Kreuzer und Museumsleiter Dr. Markus Heinzelmann geben zur Eröffnung am Sonntag um 12 Uhr eine Einführung in die Ausstellung "Revolutionen des Alltäglichen -– zeitgenössische lateinamerikanische Kunst" im Museum Morsbroich, Gustav-Heinemann-Straße 80. Dauer der Ausstellung bis 1. November.
Öffnungszeiten dienstags 11 bis 21 Uhr, mittwochs bis sonntags 11 bis 17 Uhr. Öffentliche Führungen sonntags 15 Uhr. Katalog 120 Seiten, 18 Euro.
Viele Besuche in Leverkusener Baumärkten sind dieser Ausstellung vorausgegangen, erzählt Kuratorin Dr. Stefanie Kreuzer. Sie entwickelte die Leitidee des Alltäglichen, um junge lateinamerikanische Positionen in der Schau zu vereinen. Zunächst besuchte sie die Künstler vor Ort, was durch ein Reisestipendium des Goethe-Instituts ermöglicht wurde. "So eine Ausstellung lässt sich nicht vom Schreibtisch aus kuratieren", erklärt Museumsleiter Dr. Markus Heinzelmann, der sich vor allem über die Zuwendung der Kulturstiftung des Bundes freut. Diese im zweiten Jahr hintereinander zu erhalten, das sei schon eine Auszeichnung.
Die Künstler sind zum Teil schon länger in Leverkusen, und rund die Hälfte der ausgestellten Arbeiten sind erst hier realisiert worden oder sogar erst vom Raum inspiriert entstanden. Beispielsweise die aus Strumpfhosen geknüpfte Leine, die Martin Soto Climent von einer Lampe aus durch das Fenster nach draußen führte und im Park an einem Baum befestigte. Die Architektur des Haus ließ ihn an "Rapunzel" denken, das im Märchen sein Haar herunter lässt, um dem Geliebten den Zugang zu ihrem Gefängnis zu ermöglichen. Ein eher dezenter Hinweis auf diese Arbeit findet sich im Spiegelsaal, wo eine weiße Strumpfhose im Kronleuchter Bilder einer Primaballerina assoziiert.
Melonen-Verpackung
Das Museum ist voll von interessanten Arbeiten dieser Art, die oft zunächst schmunzeln lassen, aber die Gedanken sehr bald auf den ernsten, politischen oder gesellschaftskritischen Hintergrund lenken. Wie die frische Melone, die Wilfredo Prieto quaderförmig geschnitten hat, optimal für die Verpackung.
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