Küppersteg: Vom Lärm umzingelt
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010Küppersteg (RPO). Tausende Menschen werden in Küppersteg von starken Lärmquellen umzingelt – durch die Autobahnen 1/3, die Eisenbahnlinie, den Europaring (B 8). Im Kampf gegen den Lärm ordnet die Stadt auf der B 8 Tempo 60 km/h an.
Noch bevor der Stadtrat über die Zukunft des maroden Europaring-Tunnels im Bereich Küppersteg entscheidet, schafft die Stadtverwaltung Fakten: Auf der meist zweispurigen Bundesstraße "Europaring" soll durchgängig Tempo 60 km/h gelten. Auch und speziell aus Gründen des Lärmschutzes.
"Wir führen das neue Tempolimit Mitte September ein", sagte gestern Stadtsprecher Michael Wilde auf Anfrage unserer Redaktion. Dann seien die Ferien vorbei und die Stadt könne die Autofahrer offensiv über die neue Geschwindigkeitsgrenze aufklären. "Wir wollen mit den 60 km/h nicht überfallartig kommen", betonte Wilde. Es gehe nicht um das Erwischen von mehr Temposündern durch die städtischen "Blitzen", sondern auch um eine Verbesserung des Lebensumfeldes.
Tempo 60 km/h
Die Stadt ordnet ab Mitte September die einheitliche Geschwindigkeit von 60 km/h auf dem Europaring von Opladen (ab Fixheider Straße) bis Wiesdorf (Höhe Etap-Hotel) an. In Höhe des Tunnels Küppersteg wird die Geschwindigkeit wohl bei 50 km/h bleiben. In beiden Fahrtrichtungen gibt es wegen der Stützbalken nur jeweils eine Fahrspur.
Mehr Ruhe gewünscht
Dazu gehört – ganz klar – mehr Ruhe. Langsamere Autos = weniger Lärm, lautet die Faustformel. Eine Reduzierung des Tempos um die geplanten 20 km/h auf 60 km/h senke den Beurteilungspegel um bis zu drei Dezibel (db) (A), erklärte ein Vertreter des städtischen Umweltfachbereiches. Wobei dieser Wert gerade an der Schwelle der Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Ohres liegt.
Die Fachleute sehen aber unter bestimmten Bedingungen ein Lärmminderungspotenzial von bis zu fünf dB(A). Voraussetzung: Die Fahrzeuge rollen mit gleichmäßiger Geschwindigkeit über den Europaring. Das Abbremsen und Beschleunigen vor und hinter den Bereichen mit 80 km/h oder 50 km/h verstärkt den Lärm. Langsameres Fahren bedeutet auch deutlich geringere Rollgeräusche der Reifen, speziell bei Bussen und Lastwagen.
Auf der städtischen Umgebungslärmkarte für den Europaring sind als Lärmspitzen an der Bebauung 74 dB(A) und mehr angegeben. Dies bedeutet nach Auffassung des Umweltbundesamtes und der Weltgesundheitsorganisation, dass die von diesem Lärm dauerhaft betroffenen Menschen mit einem höheren Herzinfarktrisiko leben. In Wohngebieten werden tagsüber Geräuschgrenzen von 59 dB(A) gewünscht. Nachts sollen es höchstens 49 dB(A) sein.
Beschluss ohne Politik
Die 60 km/h-Anordnung für den Europaring wurde von der Politik nicht diskutiert oder beschlossen. "Die Temporeduzierung ist ein Geschäft der laufenden Verwaltung", sagt dazu Pressesprecher Wilde.
Auf rp-online, der Internetseite unserer Zeitung, notierten Leser durchaus unterschiedliche Meinungen. Ein modernes Auto fahre leise genug, ob mit 60 oder 80 km/h, schreibt ein Leser. Die Stadtautobahn sei sicher genug für 80 km/h. Ein anderer Leser verweist auf die Anwohner und schreibt: "Freie Fahrt für freie Bürger ja, aber bitte nur da, wo niemand um seinen Schlaf gebracht wird." Wer langsamer fahren soll, damit die Küppersteger weniger Lärm ertragen müssen, akzeptiere sicher die 60 km/h.
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