Leverkusen: Vostells Theater auf der Straße
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 03.06.2010Leverkusen (RPO). Anfang der 60er begann Wolf Vostell, Kunst aus Museen und Theatern auf die Straße zu holen und die Zuschauer aktiv in den Kunstprozess einzubinden. Einen Blick auf die Zeit der Happenings wirft das Museum Morsbroich.
Noch sieht der Salat frisch und grün aus. Pralle Köpfe liegen in den alten Originalkisten vom Kölner Großmarkt, die schon Wolf Vostell 1970 mit Salat gefüllt auf die Reise schickte. Ein Jahr lang pendelte das allmählich trocknende Gemüse im Güterwaggon zwischen Köln und Aachen, während der ersten drei Tage noch von Happeningteilnehmern begleitet.
Die sollten durch direktes Erleben auf Gedanken wie Ökobilanz kommen. Heute scheint es fast aktueller als zu Beginn der Siebziger, in denen der in Leverkusen geborene Happeningkünstler die Kunst aus Ateliers und Museen holte.
Nach dem Motto: "Das Theater ist auf der Straße", das als Titel über der Ausstellung zu den Happenings von Wolf Vostell steht, die am Sonntag im Museum Morsbroich eröffnet wird. Für Leiter Dr. Markus Heinzelmann ist es der Höhepunkt in diesem Jahr und ein wichtiger "Meilenstein" auf dem Weg zum Kompetenzzentrum Fluxus, zu dem der Grundstein mit einer Schenkung des Landes gelegt wurde.
Ziel: "Bau eines Fluxus-Zentrums"
"Ich bin zuversichtlich, auch die großen Ziele in absehbarer Zeit zu verwirklichen", orakelte Heinzelmann, ohne Einzelheiten zum Stand der Sponsorengewinnung für ein Fluxuszentrum in Morsbroich zu verraten.
Die "großen Ziele" sind die wissenschaftliche Aufarbeitung der Kunstrichtung Fluxus, Ankauf weiterer Werke und der Erweiterungsbau im hinteren Schlosspark, der Ausstellung und Zentrum beherbergen soll. Sponsoren und private Geldgeber sollen es möglich machen. "Es gibt dem Schloss Morsbroich eine Zukunft, es bekommt eine schwergewichtige Rolle im Kontext zu anderen Museen", sagte Regina Wyrwoll, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW bei der Pressevorbesichtigung. Stiftung und Goethe-Institut haben die aktuelle Ausstellung möglich gemacht, die in enger Zusammenarbeit mit dem Vostell-Museum in Malpartida entstand, wo die Schau anschließend von Oktober bis zum nächsten Februar zu sehen ist.
Seit Februar 2009 ist Dr. Fritz Emslander als Spezialist und Kurator für Vostell und Fluxus im Museum angestellt. Er stand vor dem Problem, Happening, also die Folge von Ereignissen, in einer Schau darzustellen, die sich vor allem auf Text-, Ton- und Bilddokumente stützt. Immerhin sind entsprechende Aufzeichnungen der Kunstaktionen in Vostells Happening-Archiv in Malpartida gesammelt.
Wie, das können Besucher in einem der oberen Räume sehen, wo einige Archivkästen aufgebaut und der Inhalt von wenigen ausgebreitet ist. Aber Emslander wollte Happening nicht nur als wissenschaftliche Abhandlung zeigen, sondern im Sinne von Fluxus auch erlebbar machen. Beispielsweise in einer mit Erde gefüllten Wanne, die Besucher mit dem Spaten umgraben sollen. Immerhin stehen Gummistiefel bereit.
Zum ersten Happening der Sechziger wurden Theaterbesucher in Abendrobe und Stöckelschuhen gefahren. Künstlerwitwe Mercedes Vostell hat eine Menge von diesen Aktionen zu erzählen.
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