Rhein-Berg: Wahlgewinner Bosbach und seine Fans
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 28.09.2009Rhein-Berg (RPO). Die 13-jährige Viktoria Bosbach hatte es schon am Morgen gewusst: "Mein Papa gewinnt, daran hab' ich nie gezweifelt." Jetzt begleitete sie ihre Schwestern Natalie (17) und Caroline (19) mit strahlendem Lächeln in den großen Sitzungssaal des Kreishauses Bergisch Gladbach, wo ihr Vater als großer Sieger empfangen wurde. Die drei Töchter – sie sind die größten Fans von Wolfgang Bosbach, doch beileibe nicht die einzigen. Mit minutenlangen Ovationen feierten die Parteifreunde den stellvertretenden CDU/CSU-Bundesfraktionsvorsitzenden.
Der hatte zuvor ein Erststimmen-Ergebnis eingefahren, das seinesgleichen sucht. 50 Prozent, den 101-Wahlkreis noch einmal deutlicher gewonnen als 2005 – da wusste Bosbach schon früh, was auf ihn zukommen würde. "Als ich die Zahlen gesehen habe, bin ich als erstes zum Geldautomaten gegangen", verkündete der Christdemokrat: "Mir war sofort klar – das wird ein teurer Abend." In der Stunde des Erfolgs vergaß er nicht, sich bei seinem künftigen Koalitionspartner zu bedanken. Christian Lindner, bisher Generalsekretär der NRW-FDP und künftiger Bundestagsabgeordneter, hatte einen taktischen Wahlkampf geführt: Erststimme Bosbach, Zweitstimme FDP. Jetzt stand er neben dem Christdemokraten und strahlte mit ihm um die Wette. Natürlich verlasse er NRW auch mit einem weinenden Auge, räumte Lindner ein. Doch seine neue Aufgabe sehe er auch darin, "unser Düsseldorfer Modell in Berlin ebenfalls erfolgreich umzusetzen". Am liebsten würde er das in den Themenfeldern Wirtschaft, Finanzen, Bildung tun. Aber das, so Lindner "nehme ich, wie es kommt".
Ein Satz, der gestern auch als Motto für den Wahlverlierer Lasse Pütz hätte gelten können, nur mit deutlich anderer Betonung. Der 27-jährige Sozialdemokrat konnte sich nur damit trösten, gut drei Prozent über dem desaströsen Ergebnis seiner Partei geblieben zu sein. Bis zuletzt hatte Pütz noch Wahlkampf gemacht, war gestern in seinem SPD-Shirt noch drei Kilometer beim Stadtlauf in Burscheid gejoggt. Sein eigenes Abschneiden kommentierte er so: "Ich komme aus dem Radsport, da gibt es eine klare Regel: Wenn du alles gegeben hast, darfst du nicht unzufrieden sein – selbst wenn du das Rennen nicht gewinnst."
Die Stimmenauszählung im Wahlkreis 101 hätte schon vor 21 Uhr beendet gewesen sein können, wenn nicht ein Briefwahlbezirk in Leichlingen alle Beteiligten enorm auf die Folter gespannt hätte. Da musste sich Stadtkämmerer Horst Wende am Ende mit dem Spruch trösten, den er zu Beginn des Abends eigentlich für die politischen Verlierer vorbereitet hatte: "Wir haben hier Süßigkeiten bereitgestellt", hatte Wende gesagt: "Dann schmeckt die Niederlage nicht so bitter."
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