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Leverkusen: Wahlkampf – skandalfrei – respektvoll

VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 22.08.2009

Leverkusen (RPO). Amtsinhaber Ernst Küchler (SPD) und AGL-Chef Reinhard Buchhorn (CDU) streben beide den Sieg bei der Wahl zum Oberbürgermeister am 30. August an. Ob und wie sie sich in ihren politischen Ansichten für Leverkusen unterscheiden, legten die beiden erfahrenen Männer auf dem RP-Sofa in der ECE-Baustelle sitzend dar. Ohne Knatsch. Dafür mit festen Ansichten.

Info

Steckbriefe

Ernst Küchler geboren am 7. April 1944 in Freiburg, zwei Geschwister, verheiratet, ein Sohn, studierte Politologie in Freiburg und Berlin, seit 1970 bei der Stadt Leverkusen.

Reinhard Buchhorn geboren am 14. November 1946 in Gedhus, Dänemark, verheiratet, 3 Kinder, Ausbildung zum Werkzeugmacher, später Fachhochschule mit Abschluss "Dipl.-Verwaltungswirt", seit 1978 bei der Stadt Leverkusen.

Beide kamen im dunklen Anzug, beide mit Aktentasche zum Rote-Sofa-Termin auf die ECE-Baustelle, beide lösten erstmal den beengenden Schlips um den Hals. Dass Reinhard Buchhorn und Ernst Küchler Gegner im (Wahl-)Kampf ums Oberbürgermeisteramt sind – wüsste man's nicht, man spürte es kaum. Kein unsachliches verbales Hauen und Stechen, keine Beleidigungen auf persönlicher Ebene, kein Ausschlachten von vermeintlichen Fettnäpfchen des anderen. Skandalverdächtig ist das nicht. Soll es auch nicht sein. Die beiden wohl aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters wollen durch Themen, Ideen, Entscheidungen punkten – nicht durch Klatsch. Wahlan- und aussichten teilten sie auf dem Roten RP-Sofa mit, das dieses Mal unter der heranwachsenden Galerie-Rotunde in Wiesdorf stand, in der der künftige Oberbürgermeister die Stadt regieren wird. Wie geht die Wahl am 30. August aus?

Küchler sieht sich mit einem fünf- bis siebenprozentigem Vorsprung als Gewinner. Wie es für die Parteien ausgeht, sei schwierig angesichts der Vielzahl der Parteien. Buchhorn will sich bei den Prozentzahlen nicht festlegen, weil's unlauter sei, sagt stattdessen: "Ich werde gewinnen. Ich habe ein gutes Gefühl." Wie die einzelnen Parteien abschneiden, sieht auch er als schwierige Frage an. Es gehe darum, viel Überzeugungsarbeit zu leisten. "Die Frage ist auch, wem die extremen Gruppierungen Stimmen wegnehmen werden." Fürchten Sie die Linken, die Rechten ?

Buchhorn und Küchler sind sich einig: Fürchten nein, aber genau hingucken, weil Extreme gefährlich werden können, müsse man schon. Was Küchler stört, ist der Wegfall der Fünf-Prozent-Hürde. "Seitdem verliert die SPD Wähler ihrer Stammwählerschaft – erst an die Grünen, dann an die Bürgerliste, jetzt an die Linke", sagt der amtierende Oberbürgermeister. Zumindest eine Hürde von 2,5 bis drei Prozent, die gesetzlich zulässig wäre, favorisiert Küchler. Der Chef der Hartz-IV-Behörde AGL führt das Problem von wegbleibenden Wählern an. "Je niedriger die Wahlbeteiligung sein wird, desto besser sind die Chancen für die Rechten." Schoofs und Mertgen: eine Gefahr für Sie?

Buchhorn knapp: "Ehrlich? Nein, eher nicht." Küchler länger: "Jeder Mitbewerber ist erstmal Konkurrenz. Bei der Bürgerliste habe ich den Eindruck, dass der Bürger mittlerweile verstanden hat, was Populismus bedeutet. Mit welcher Arroganz Erhard Schoofs Leute agitiert, das ist schon fast gefährlich. Mit Schoofs hätten wir keine Laga, kein Museum, keine Smidt-Arena, kein CaLevornia." Die OWG-UWG knüpfe an die Tradition von freien Wählergruppen an. In Zeiten von Politikverdrossenheit käme deren Angebot gut an. Insofern bündelten sie eine bestimmte Bürgerschaft. Sind Sie ein Alphatier?

Nein, das Wort passt beiden nicht in ihre Vorstellung von einer Führungskraft, mit der beide reichlich Erfahrung haben. Ernst Küchler unterstreicht die Kollegialität. "Man muss Chef sein, ohne die Rolle des Chefs zu betonen", sagt der 65-Jährige. Reinhard Buchhorn beschreibt sich als "kooperativ, im Zweifel direktiv und kollegial". Was machen Sie besser als Ihr Gegenkandidat?

Buchhorn will den Akzent auf die Unternehmenspolitik legen, auf Arbeitsplatzerhalt und -schaffung. "Da muss man zunächst investieren", betont der 62-Jährige. "Die WFL braucht eine gute Truppe, die Leverkusen zu einer Marke machen kann neben Bayer. Eine Marke für innovative Werkstoffe und Nanotechnologie. Beides ist vorhanden, es muss vernetzt und ausgebaut werden.

Küchler ist sich mit Buchhorn einig. Für die WFL hätte längst ein hauptamtlicher Chef eingestellt werden müssen. Er habe sich vor Jahren bemüht, einen Wirtschaftsdezernenten zu installieren – "das ist an der CDU gescheitert". Und: "Wir werden den Strukturwandel nicht mit der WFL beherrschbar machen. In den letzten Jahren haben sich über 20 Unternehmen in der Stadt neu angesiedelt. Dank der WFL hat etwa Kemira seine Europazentrale in den Innovationspark gelegt. Nebenbei ist Leverkusen auch als Auspendlerstadt interessant. Hier lässt es sich leben." Können Sie einen Wegzug von Bayer nach der Wenning-Ära verhindern?

Buchhorn: "Auch Bayer Leverkusen ist eine Marke. Dass Bayer wegzieht, glaube ich nicht. Lanxess ist ein anderer Fall. Immer im Schatten der Ex-Konzernmutter zu sein, ist nicht prickelnd."

Küchler hält den Umzug der Lanxess-Zentrale für eine kluge Unternehmerentscheidung. In Deutz biete sich ein Filetgrundstück mit Bahnhof vor der Tür an. "Bayer-Chef Werner Wenning verdanken wir sein Bekenntnis zu Leverkusen als idealen Standort." Droht die Eingemeindung nach Köln?

"Dummes Geschwätz. Die klassische Diskussion um Fusion von Kommunen ist vorbei. Aber im Strukturwandel muss man identitätsschaffende Politik machen", sagt Küchler. Buchhorn ergänzt: "Es geht nicht um die Frage Köln. Es geht um den drohenden Verlust der Selbstständigkeit, weil die Finanzmittel nicht stimmen. Im Ruhrgebiet werden bereits Städte vom Land regiert." Küchler wirbt für eine "unausweichliche" Gemeindefinanzreform, ohne die Leverkusen nicht aus seiner Krise findet. Hier müssten Bund und Land etwas tun, etwa das Konnexitätsprinzip "Wer bestellt, bezahlt" im Gesetz verankern. Reinhard Buchhorn hat Zweifel, was von Bund und Land kommen soll, die selbst verschuldet sind. Derzeit gebe es Gewinnerstädte und Verliererstädte wie Leverkusen. Um etwas in Richtung Gemeindefinanzreform zu erreichen, sei der Städtetag nicht richtig aufgestellt, weil nicht alle dasselbe Ziel verfolgten. Warum sollte ein 16-Jähriger Sie wählen, Herr Buchhorn ?

"Weil ich neuen Drive reinbringe. Alles, was ich tue, will ich für die nachfolgenden Generationen tun, zum Beispiel ihnen einen sanierten Haushalt und andere gute Voraussetzungen zu schaffen und zu hinterlassen." Und Sie, Herr Küchler?

"Betrachten Sie die Ergebnisse der letzten fünf Jahre. In der Stadt hat sich durch mich einiges bewegt – U-3-Betreuung, Campus Leverkusen, Ganztagsschulen. Bildung ist das Wichtigste, auch wenn das ein 16-Jähriger heute noch nicht so sehen wird.

Quelle: RP

 
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