Leverkusen: Wahnsinn! Auch Heidemann holt Gold
zuletzt aktualisiert: 13.08.2008 - 17:03Leverkusen (RPO). Zwischen den historischen Goldmedaillen lagen gerade einmal 19 Minuten: Erst riss sich Benjamin Kleibrink die Maske vom Kopf und sprang in die Arme von Bundestrainer Uli Schreck. Kurz darauf schrie Britta Heidemann ihre Freude hinaus. Die Leverkusenerin verdrückte ein paar Freudetränen und fiel ihrem Bruder Gerrit um den Hals. Mit historischen Siegen erfüllten sich der 23 Jahre alte Florett-Fechter und die 25 Jahre alte Degen-Spezialistin ihren Traum von Gold in Peking.
Als "herausragenden Beitrag" würdigte Bundespräsident Horst Köhler unmittelbar nach dem Doppel-Triumph die Leistung der beiden Fechter. Für beide Athleten bedeutet der Triumph den größten Erfolg ihrer Karriere.
Oberbürgermeister Ernst Küchler gratulierte der Leverkusener Degenfechterin Heidemann unmittelbar nach ihrem Sieg. Mit ihrem großartigen Erfolg und ihrer großen Beliebtheit mache sie auch Leverkusen im Reich der Mitte alle Ehre, schreibt Küchler."Es war bombig. Ich habe die Gegner echt weggefegt", sagte der überglückliche Kleibrink und ergänzte: "Ich bin zu kaputt, um zu lachen." Heidemann war vor Freude ebenfalls kaum zu halten: "Das ist phantastisch. Ich habe es einfach durchgezogen. Olympiagold ist der Traum eines jeden Sportlers."
Kurz nachdem der Bonner Kleibrink bei seiner Olympia-Premiere für das erste Einzel-Gold eines deutschen Florett-Fechters gesorgt hatte, sicherte sich auch die Weltmeisterin aus Leverkusen ihren ersten Olympiasieg - es war das erste Degen-Gold im Einzel für eine deutsche Frau.
19 Minuten nach Kleibrink machte die überglückliche Weltranglistenerste den zweite Doppel-Olympiasieg in der deutschen Fecht-Geschichte nach Anja Fichtel mit dem Florett und Arnd Schmitt mit dem Degen in Seoul 1988 perfekt.
Im Finale setzte sich Heidemann gegen die Rumänin Ana Branza 15:11 durch. Kleibrink bezwang in seinem letztes Duell Yuki Ota aus Japan 15:9. Bronze ging an die Ungarin Ildiko Mincza-Nebald und den Italiener Salvatore Sanzo. Der dreimalige Weltmeister Peter Joppich aus Koblenz und Imke Duplitzer aus Bonn waren bereits im Viertelfinale gescheitert und kamen jeweils auf Platz fünf.
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Anders als für Sportstudent Kleibrink bildete der Triumph für Heidemann zusätzlich noch den Höhepunkt ihrer "chinesischen Affäre". In den vergangenen Wochen habe sie viele Stimmungsschwankungen erlebt, erzählte die Weltmeisterin, die in Athen 2004 bereits mit dem Team die Silbermedaille gewonnen hatte.
Heidemann: "Ich habe alles durchgemacht"
"Einen Tag hektisch, einen Tag panisch, einen Tag weinerlich. Gestern war ich ziemlich locker, heute morgen angespannt, am Mittag wieder locker - die ganze Palette an psychologischen und emotionalen Regungen rauf und runter. Ich habe alles durchgemacht", berichtete Heidemann. Umso größer war die Freude, als all der Druck abfiel.
Vor 15 Jahren war Heidemann erstmals im Reich der Mitte, nach mittlerweile weit mehr als 20 Aufenthalten in Peking bezeichnet sie die Olympiastadt als ihre zweite Heimat. Sie spricht Mandarin fließend, das Studium der chinesischen Regionalwissenschaften an der Uni Köln hat sie gerade abgeschlossen.
Mit dem Olympia-Sieg in China wurde für Heidemann ein Lebenstraum wahr, der seit dem Beginn ihrer Studiums und der nahezu gleichzeitigen Olmypia-Vergabe an die chinesische Hauptstadt im Jahr 2001 gereift war.
Mit Außenseiter-Chancen war Kleibrink nach Peking gefahren, in beeindruckender Manier marschierte der WM-Dritte dann durch die Gefechte. Auch im Finale dominierte er auf der Planche wie ein Routinier und ließ den Gegnern in keinem seiner vier Duelle auch nur den Hauch einer Chance.
Riesige Enttäuschung herrschte dagegen bei Joppich und Duplitzer. Joppich, als Topfavorit gestartet, war an Kleibrinks Finalgegner Ota 12:15 gescheitert. "Es ist traurig, knapp vor einer Medaille auszuscheiden.
Ich versuche das abzuhaken, dann geht es auch wieder weiter", sagte er. Bezeichnend für den unglücklichen Auftritt des Koblenzers war das Zustandekommen seines Ausscheidens: Joppich hatte den letzten Punkt nicht auf der Planche, sondern beim Stand von 12:14 durch eine Rote Karte abgegeben.
Auch für Duplitzer war im Viertelfinale Endstation. Die 33-Jährige aus Bonn unterlag bei ihrer vierten Olympia-Teilnahme der Bronze-Gewinnerin Mincza-Nebald 11:15 und belegte wie Joppich Platz fünf.
"Da hat man eineinhalb Jahre hart gearbeitet und bei der Team-WM überragend gefochten - da bricht schon eine Welt zusammen", sagte sie: "Immer diese Plätze fünf bis acht - ich kann es nicht mehr sehen."
Dass sich Duplitzer durch ihre vielen Medienauftritte als polarisierende China-Kritikerin zu sehr abgelenkt habe, wollte aber weder sie noch Bundestrainer Manfred Kaspar als Ursache gelten lassen. Man dürfe sich auch mal mit anderen Dingen als Fechten beschäftigen und könne trotzdem voll konzentriert auf der Planche sein, meinte der Coach.
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