Opladen: War Kündigung rechtens?
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 02.05.2009Opladen (RPO). Für einige Minuten wird das Arbeitsleben von Princely Sinnathmby reduziert auf einen Zahlenwert. Entspricht seine Beschäftigung in der Produktion bei TMD Friction nun 69 Punkten? Oder viel mehr? Oder doch viel weniger?
Das bemühen sich Richter und Anwälte am Amtsgericht in Opladen herauszufinden. Sie wollen nachvollziehen, wie das bis vor kurzem von der Pleite bedrohte Unternehmen die zu kündigenden Mitarbeiter ausgewählt hat. Mit Interesse verfolgt mehr als ein halbes Dutzend Personen die Kopfrechnungen der Juristen – Betroffene, die auch geklagt haben gegen den Rauswurf.
98 Beschäftigte sollten in die Transfergesellschaft PEAK wechseln. 42 weigerten sich, wurden entlassen und streiten nun gerichtlich um ihre Weiterbeschäftigung. Viele von ihnen bemängeln, dass die Auswahl nicht korrekt gewesen sei.
Alexandra Braun aus der Kanzlei von Insolvenzverwalter Frank Kebekus, der der Beklagte in diesen Fällen ist, bestreitet dies: Der Betrieb in der Fixheide habe sich von denen getrennt, die gemäß der "Sozialdaten" den niedrigsten Schutz gehabt hätten (für ihre Abfindungen seien knapp 530 000 Euro vorgesehen gewesen). Diese Sozialdaten setzen sich aus Alter, Betriebszugehörigkeit (je ein Punkt pro Jahr), Kindern (vier Punkte) und Steuerklasse (acht) zusammen.
Anhand von Sinnathmby, zweifacher Vater, sollte stellvertretend das Vorgehen durchgerechnet werden. Es kommt schnell zu Verwirrung. Weil der 43-Jährige zum Kündigungs-Zeitpunkt noch 42 war. Auch seine Betriebszugehörigkeit birgt Unklarheiten: Er war 1989 (für sechs Monate) und ab 1996 als Aushilfe bei TMD tätig, bevor er 1998 fest eingestellt wurde. Sinnathmby hört vor Gericht erstmals, dass er eine Abfindung von 5968 Euro erhalten soll. "Das ändert nichts. Ich möchte meinen Arbeitsplatz wieder", sagt er nach dem Gütetermin am Gericht. Um ihn herum stehen Ex-Kollegen, machen ihrem Unmut Luft, berichten von "viel jüngeren Kollegen ohne Kinder, die nach uns eingestellt wurden" – und immer noch bei TMD beschäftigt seien.
Da sind alle Aktendeckel wieder zugeklappt, alle TMD-Fälle verschoben. Vermutlich im September geht es weiter. "Wir bekommen nun die Listen des Insolvenzverwalters und arbeiten diese durch", beschreibt Dr. Peter Orlowski, der rund 20 Ex-TMD-Mitarbeiter gerichtlich vertritt, das weitere Vorgehen – um im Herbst auf Anhieb mit den richtigen Sozialdaten punkten zu können.
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