Leverkusen: Wenning: "Trendwende geschafft"
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 28.10.2009Leverkusen (RPO). Bayer hat dank der Arznei-Säule Health Care und Wiederaufschwung der Kunststoffsparte MaterialScience im dritten Quartal ein Plus beim Gewinn eingefahren. Es laufen Gespräche zur neuen Standortvereinbarung 2010.
Die Zeit läuft. In gut zwei Monaten endet mit dem Jahr auch die Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung für die Werkstandorte Leverkusen, Dormagen, Uerdingen, Elberfeld und Brunsbüttel. Das bedeutet: Bayer könnte theoretisch wieder Mitarbeiter betriebsbedingt kündigen. Praktisch aber befindet sich die Konzernspitze um Werner Wenning derzeit in "Sondierungsgesprächen und Verhandlungen" mit den Arbeitnehmervertretern, wie Bayer-Gesamtbetriebsratschef Thomas de Win gestern bestätigte.
Bayer will Mitarbeiter-Flexibilität
Selbiges hatte auch Bayer-Konzernchef Werner Wenning gestern am Rande der Bilanzverkündung für das dritte Quartal angemerkt. Nachsatz: "Ich bin sicher, dass wir zu einem positiven Ergebnis kommen werden." Davon geht auch de Win aus. Einen konkreten Zeitpunkt, wann dieses Ergebnis auf dem Tisch liegt, nannte jedoch auch er nicht, "Die Situation ist anders als vor drei Jahren, jetzt müssen wir auch die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise berücksichtigen", sagte de Win über die Basis der Gespräche. Inhaltliche Einzelheiten wolle er nicht nennen, darüber müsse erst intern gesprochen werden. Aber: "Wir als Betriebsrat wollen natürlich den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in der neuen Vereinbarung. Das Unternehmen hingegen erwartet da Flexibilität."
Jobabbau durch Fluktuation
Flexibilität im Sinne von Mobilität, kommentierte gestern dazu Bodo Wilms von der zuständigen Gewerkschaft IGBCE. Das heißt: Die Unternehmensseite wünscht sich, dass Mitarbeiter so mobil sein sollen, dass sie temporär oder gänzlich auch den Standort innerhalb Deutschlands wechseln können. "Ein Punkt, über den zudem gesprochen wird: die Ausbildungssicherung, die uns sehr am Herzen liegt", betonte Wilms.
Wann eine Anschlussvereinbarung in trockenen Tüchern ist, vermochte auch der Gewerkschafter nicht abzusehen, war sich aber mit Thomas de Win sicher, dass am Ende des Jahres eben jenes positive Ergebnis auf dem Tisch liegt. Werner Wenning sicherte in der Konferenz gestern beim Thema Jobabbau in Deutschland zu: "Das was wir an Jobanpassungen zu realisieren haben, werden wir über die normale Fluktuation hinbekommen."
Hinbekommen hat der Konzern im dritten Quartal die Trendwende. "Estmals in diesem Jahr liegt das Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) vor Sondereinflüssen – also eine wichtige Steuerungsgröße – mit 1,5 Milliarden Euro wieder leicht über dem Vergleichswert des Vorjahres", resümierte Wenning, musste aber einräumen: "Auch wir konnten – trotz enormer Anstrengungen – Rückgänge im Umsatz nicht vermeiden." Dass das dritte Quartal vergleichsweise glimpflich ablief, verdankt der Konzern der Pharmatochterfirma Health Care und dem wiedererstarkten Kunststoffgeschäft MaterialScience.
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