Leverkusen: Wirbel um Karnevals-Frei der Stadt
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 11.12.2009Leverkusen (RPO). Mitarbeiter der Stadtverwaltung Leverkusen sollen ab 2010 wieder freie Tage zu Karneval geschenkt bekommen. Bisher müssen sie Urlaub oder Freizeitausgleich dafür in Anspruch nehmen. Der Vorstoß ist hochumstritten.
Brauchtumsfreunde freuen sich über den Plan, Kritiker halten ihn für einen misslungenen Karnevalsscherz: Mitarbeiter der Stadt Leverkusen sollen ab dem kommenden Jahr zu Weiberfastnacht ab 12 Uhr wieder feiern gehen können, ohne dafür Freizeitausgleich in Anspruch nehmen zu müssen.
So sieht es ein Vorschlag der Verwaltung vor, den der Stadtrat in seiner Sitzung am kommenden Montag beschließen soll. Auch der Rosenmontag soll der Stadt-Belegschaft dem Plan zufolge geschenkt werden.
"Motivation für die Mitarbeiter"
Damit würde ein Zustand wiederhergestellt, der bis 2006 herrschte, bevor die Anregung der Unternehmensberatung Kienbaum umgesetzt wurde, die so genannten "Brauchtumstage" zu streichen. Das seinerzeit vorhergesagte Einsparvolumen von gut einer halben Million Euro sei nicht erreicht worden, argumentiert die Stadtverwaltung.
Obwohl sowohl Weiberfastnacht als auch Rosenmontag Rathaus und Bürgerbüro geöffnet gewesen seien, habe die Arbeitszeit längst nicht so effektiv eingesetzt werden können, "wie an normalen Arbeitstagen".
Von den 1039 Stadtbediensteten, die an der Zeiterfassung teilnehmen, fehlten in diesem Jahr an Weiberfastnacht 184 wegen Urlaubs oder Freizeitausgleichs. Rosenmontag seien es sogar 419 gewesen, listet die Stadt auf. Umgekehrt habe nur jeder vierte bis fünfte der sonst üblichen Besucher das Bürgerbüro an diesen beiden Tagen aufgesucht.
Ein weiterer Punkt, den Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn sowie die Dezernenten Stein, Adomat und Mues in dem Beschlussentwurf hervorheben, ist die Motivation der Mitarbeiter. Karnevalsfrei könne den Frust ein wenig lindern, dass die finanziell klamme Stadt längst nicht alle anstehenden Beförderungen tatsächlich aussprechen kann. Und wer künftig die "besten Köpfe" als Mitarbeiter nach Leverkusen holen wolle, habe mit dem jecken Freizeitgeschenk auch im Wettbewerb der Kommunen bessere Karten.
"Verdeckte Gehaltserhöhung"
Der Vorstoß ist hochumstritten: Während der Opladener Bezirksvorsteher und Ex-Altstadtfunken-Präsident Rainer Schiefer (CDU) gestern beispielsweise erfreut reagierte ("Wir leben in einer Karnevalsregion, ich gönne den Leuten die freien Tage"), sprach SPD-Fraktionschef Dr. Walter Mende von einer verdeckten Gehaltserhöhung auf Kosten der Steuerzahler: "Bezahlter Sonderurlaub, der eine halbe Million Euro verschlingt, passt heute überhaupt nicht mehr in die Landschaft", sagte er. Außerdem wohnten 40 Prozent der Stadtbediensteten überhaupt nicht in Leverkusen: "Wir finanzieren also Karneval und Kneipen in Düsseldorf und Köln."
Mende erwartet, dass der Vorstoß verpufft wie ein schlechter Karnevalsscherz. Er habe signalisiert bekommen, dass der Oberbürgermeister die Vorlage angesichts des zu erwartenden Gegenwinds zurückziehen will. Deshalb sein Fazit: "Das Ungeheuer hat nur mal kurz den Kopf aus dem Wasser gehoben und ist dann schnell wieder abgetaucht. Zum Glück."
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