Leverkusen: Witzheldener schrieb Niederland-Hymne
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 27.10.2009Leverkusen (RPO). Johann Wilhelm Wilms ging als 17-Jähriger aus dem Höhendorf fort und in die Niederlande. Ein Werk des jungen Komponisten wurde dort Anfang des 19. Jahrhunderts zur Nationalhymne auserkoren. Fast 200 Jahre später deckt Musikwissenschaftler Klusen weitere Wilms-Schätze auf.
Was die niederländische Nationalhymne mit Witzhelden zu tun hat? Eine ganze Menge! Denn die alte Hymne des westlichen Nachbarlandes – "Wien Neêrlands bloed in d' aders vloeit" – hat Johann Wilhelm Wilms komponiert, der im Höhendorf geboren und aufgewachsen ist. Sie wurde 1815 sogar ihrem prominenten Nachfolger "Het Wilhelmus" (seit 1932) vorgezogen. Und dieses Lied wiederum spielt eine wichtige Rolle bei der Geschichte, die den Komponisten und berühmtesten Sohn des Ortes in seiner Heimat und weltweit wieder bekannt gemacht hat.
Variationen des uralten Wilhelmus-Liedes waren es, die Dr. Ernst A. Klusen beim Cello-Unterricht in seinem Viersener Geburtshaus sah. "Mein Vater betrieb das Niederrheinische Volksliedarchiv. Aus einem der Schränke schauten die Blätter heraus und weckten meine Aufmerksamkeit", erinnert sich der Musikwissenschaftler.
Ihm, der eine echte Heimat weder in Viersen, noch am heutigen Wohnsitz in Bonn gefunden hat, ist Witzhelden längst eine Art Ersatz dafür geworden. Zwischen dem Fund der Noten und dem ersten Besuch im Höhendorf vergingen allerdings Jahre. Zunächst führte Klusen mit dem Orchester seiner Schule das gefundene Konzert auf. Und an das erinnerte er sich bei der Suche nach einem Thema für seine Doktorarbeit.
"Damals kannte Wilms keiner mehr. Dabei war er zu seiner Zeit eine echte Berühmtheit", betont er. Und das hatte keineswegs nur mit der Hymne zu tun. Berühmte Verleger aus Leipzig nahmen sich des über Lüttringhausen und Elberfeld nach Amsterdam gekommenen jungen Komponisten an. Eines seiner Werke wurde sogar prominent platziert beim Neujahrskonzert des Gewandhausorchesters. Und bei seinem ersten Auftritt spielte das neue Prager Konservatoriumsorchester auch eine Wilms-Komposition. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte ein Bruder Napoleons als Herrscher über die Niederlande zu den ersten namhaften Förderern.
Eine Eiche zum Gedenken
Die Witzheldener zuckten beim Namen Wilms nur mit den Schultern, als Klusen Mitte der 60er Jahren erste Nachforschungen anstellte. Inzwischen sind sie mächtig stolz auf ihren Komponisten, haben ihm jüngst eine Eiche samt Gedenkstein (auf dem Blankenberg) gewidmet und eine Tafel an seinem Geburtshaus an der heutigen Solinger Straße. Das zu einem Museum umzubauen, ist ein großer Traum von Klusen, der als Vorsitzender der Johann Wilhelm Wilms Gesellschaft regelmäßig im Höhendorf zu Besuch ist.
Nach seiner 1975 als Buch erschienenen Doktorarbeit und einer längeren Pause hat Klusen Ende der 90er Jahre die Forschung wieder aufgenommen und betreibt sie mit Herzblut und Erfolg.
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