Leverkusen: Woolworth Wiesdorf schließt nach 40 Jahren
VON CLAUDIA PROSKE - zuletzt aktualisiert: 14.09.2009Leverkusen (RPO). Gähnende Leere in den Schaufenstern. In den Verkaufsräumen stehen Kleider- und Produktständer wie bleiche Gerippe. In der Ecke weisen nur zerbrochene Lippenstifte und andere Makeup-Reste auf den einstigen Zweck der Kosmetikabteilung hin.
Der Boden ist schmutzig statt wie sonst blankgewienert – mit einem letzten traurigen Blick schließt Michael Breiting, Leiter der Woolworth-Filiale in Wiesdorf am Samstag noch vor dem Mittag die Türen ab. "Die Moral war bis zum letzten Tag erstaunlich gut", lobt Breiting seine Angestellten, die mit einem liebevoll gestalteten letzten Frühstück von ihrem Arbeitsplatz und voneinander Abschied nehmen.
"Die Stimmung ist deprimierend", findet hingegen Mitarbeiterin Christel Hoheisel, ehe sie sich auf den Weg zu ihrer letzten Abrechnung macht. "Als es hieß, wir machen weiter, hatten wir ein Superteam hier, und alle haben mitgezogen." Und dann sei der Hammer gekommen. Einige Kollegen hätten schon neue Jobs, andere seien in andere Filialen gewechselt, wieder andere wie sie selbst hätten noch keine neue Stelle gefunden. "Hoffen tut man immer."
Am Donnerstag und Freitag wurde Woolworth in Wiesdorf förmlich von Kunden überrannt. Viele hätten sich von den Mitarbeitern verabschiedet, traurig und zum Teil mit Tränen in den Augen. "Das war hart an der Grenze", sagt Christel Hoheisel am Samstag. "Jetzt sieht es hier aus wie nach dem Krieg."
Und obwohl es bis auf einigen Kleinkram wie Bücher, Postkarten, CDs, Kalender von 2009 und Teelichten in einer Handvoll Kramkisten gleich am Eingang bei Woolworth nichts mehr zu holen gibt, finden auch am letzten Tag noch etliche Kunden den Weg ins Geschäft. "Es tut weh, und ich bin sehr traurig." Inge Steudtner hat Mühe, die Tränen zurückzuhalten. Seit der Eröffnung des Geschäftes 1969, als Woolworth sogar noch ein Restaurant und eine Möbelabteilung hatte, arbeitete die heute 78-Jährige 15 Jahre hier und war danach Stammkundin. "Ich kann es nicht fassen", sagt sie und wird von einer Mitarbeiterin in den Arm genommen.
Auch Kundin Susann Hartenstein kam regelmäßig. Für ihren Sohn konnte sie bei Woolworth Kleidung und Spielsachen erstehen. "Die Schließung ist traurig, jetzt muss ich mich nach etwas anderem umsehen."
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