Leverkusen: „Woolworth wird überleben“
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 10.11.2007Leverkusen (RPO). Wirbel lösten die Berichte unserer Zeitung über die Probleme der Warenhaus-Kette aus. Verdi-Expertin Malene Volkerts sagt unter Hinweis auf das brisante Rundschreiben der Chefetage: „Ein Stellenabbau ist unvermeidlich.“
Das Zittern
Der monatelange Verhandlungspoker um neue Woolworth-Partner zerrte bei Mitarbeitern und Verdi-Experten an den Nerven. Vor dem Deal mit dem neuen Investor Argyll Partners Ltd. liefen viele Gespräche. Die Atmosphäre mit der Geschäftsführung beschreibt Verdi-Funktionärin Volkerts als „sehr sachlich und zukunftsorientiert“: „Ich habe Herrn Brech auch ausdrücklich gebeten, bei Woolworth zu bleiben.“
Die nächsten zwei Wochen hat sich Verdi-Funktionärin Malene Volkerts nur für ein Thema frei gehalten: Verhandlungen mit der Woolworth-Geschäftsführung über die Zukunft der Warenhaus-Kette. Seit einigen Tagen liegt der Berliner Gewerkschafterin das brisante Rundschreiben vor, das die Woolworth-Chefs Robert Brech und Bernd Szymanski mit Datum vom 2. November an ihre rund 13 000 Beschäftigten verteilen ließen. Darin kündigt Robert Brech einen massiven Stellenabbau in der Verwaltung und in den Filialen an. Einzelhandels-Expertin Volkerts glaubt trotz dieser Mitteilung: „Das Unternehmen wird erhalten bleiben.“ Das ist die gute Nachricht. Die gewählte Woolworth-Aufsichtsrätin weiß aber auch: „Ohne einschneidende Maßnahmen wird dies nicht gehen.“
Damit Woolworth in die schwarzen Zahlen kommt, werden sicher 1500 bis 1600 Vollzeitstellen abgebaut werden müssen. Sagt Volkerts. Betroffen sind damit 3000 bis 4000 Mitarbeiter. Sie werden die Kündigung erhalten. „Ein herber Einschnitt“, kommentiert die Gewerkschafterin, aber dies sei unvermeidlich, um die übrigen Arbeitsplätze zu sichern. Die größten Härten sollen offenbar durch Abfindungen abgefedert werden.
Positiv findet die Verdi-Funktionärin die gleichzeitige Mitteilung über die Zahlungen von Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Noch im Juni hatte der Auszahlungsstopp für das Urlaubsgeld auf der Betriebsräteversammlung in Willingen bei den versammelten 500 Betriebsräten für „Empörung, Enttäuschung und Wut“ gesorgt (nachzulesen auf www.verdi.de/einzelhandel). Danach rollte eine „riesige Klagewelle“ auf die Unternehmensleitung zu. Mit „unerwartet großem Erfolg“ (Volkerts) klagten Mitarbeiter das Urlaubsgeld ein (Wir berichteten). „Die Zahl der Klagen erreichte eine Größenordnung, mit der die Unternehmensleitung nicht gerechnet hatte“, bilanzierte gestern die Verdi-Frau zufrieden.
Auf der Betriebsräte-Versammlung kritisierten die Arbeitnehmervertreter, dass „offensichtlich zu lange mit einem ausgereiften Konzept der Grundsanierung (von Woolworth) gewartet wurde“. Volkerts setzt jetzt auf das Können von Brech und Szymanski. Anzupacken seien: – die Filialstruktur: Woolworth betreibt Häuser in der Größe von 200 bis 4000 Quadratmetern.
Dies müsse einheitlicher werden. – die Sortimentsstrategie: Die Kaufhaus-Kette habe mit zu vielen Waren agiert. Da sei Bereinigung angesagt, so Volkerts. Sie fordert von der Chefetage auch ein Motivationskonzept. Denn nur hochmotivierte Mitarbeiter seien gute Verkäufer. Insgesamt seien viele Fehler gemacht worden. Die nächsten ein, zwei Jahre werden harte Jahre, schätzt Volkerts. Woolworth müsse saniert werden, denn das Unternehmen sei für den deutschen Einzelhandel von großer Bedeutung.
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