Opladen: Zahl der Suchtberatungen steigt
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010Opladen (RPO). Wiesdorf Die Zahl der Sucht-Beratungsgespräche für Jugendliche und deren Eltern ist im vergangenen Jahr stark angestiegen. Besonders deutlich zeigte die Kurve bei den Elternberatungen nach oben: 125 persönliche und telefonische Gespräche mit insgesamt 81 Eltern und Angehörigen bedeuteten eine Verdopplung gegenüber 2008. "Wir sprechen fast von einem Quantensprung", berichtete Diplom-Sozialpädagogin Nadja Robertson gestern bei der Präsentation der Jahresbilanz der Suchthilfe gGmbH.
Auch die Jugendlichen selbst kamen häufiger in die Beratungsstelle an der Otto-Grimm-Straße: 233 Gespräche führten die Fachleute mit den insgesamt 72 jungen Leuten – 21 Gespräche mehr als im Jahr zuvor und der höchste Stand seit dem Start der Suchthilfe im Jahr 2004.
Geschickt wurden die 16- bis 21-Jährigen dabei vorwiegend von ihren Eltern. Sozialarbeiter Michael Schätzle betonte gestern jedoch, dass dies keineswegs bedeute, die Eltern säßen bei den Beratungen mit am Tisch: "Wir trennen das ganz strikt. Sind in den Gesprächen wirklich allein mit den jungen Leuten, damit sie auch Vertrauen zu uns fassen können." Das funktioniere im allgemeinen auch ganz gut – obschon es auch eine zweite und dritte Gruppe Jugendlicher gebe, die auf richterliche Anordnung oder Geheiß der Schule die Beratungsstelle aufsuche.
Im deutlichen Anstieg der Fallzahlen sehen aber weder Schätzle noch Robertson Belege für eine Zunahme der Suchtproblematik generell. Vielmehr spiegele sich darin die verstärkte Bereitschaft der Leute wieder, sich auch auf längere Beratungsprozesse einzulassen: "War es vor Jahren hauptsächlich ein Gespräch, das den Eltern ausreichte, kommen immer mehr heute zu weiteren Anschlussterminen."
Neben den klassischen Themen wie Alkohol- und Cannabiskonsum, die die häufigste Ursache für ein Gespräch bei den Sozialarbeitern ist, beobachten die Mitarbeiter der Suchthilfe inzwischen verstärkt Eltern, die sich Sorgen um Essstörungen ihrer Kinder oder deren Computer-Verhalten machen. Von 52 Erstgesprächen im vergangenen Jahr hätten sich immerhin elf um das Thema Computersucht gedreht, berichtete Nadja Robertson. Und es gehe dabei immer mehr um ganz junge Kinder: "Wir haben es da mit Zwölf- und 13-Jährigen zu tun."
Ihnen allen versucht die Fachstelle für Suchtvorbeugung eines mit auf den Weg zu geben: den jungen Menschen das Risikopotenzial deutlich zu machen, das in ihrer Lebensweise steckt, gleichzeitig aber auch Alternativen aufzuzeigen. Denn die seien bei jeder Form der Sucht ganz wichtig.
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