Alkenrath: Zebrastreifen sind Fußgängerfallen
VON R. ZILLES UND U. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 15.10.2009Alkenrath (RPO). Schwerer Unfall auf der Alkenrather Straße: Ein 54-Jähriger wurde gestern auf dem Zebrastreifen von einem Auto erfasst und über 30 Meter mitgeschleift. Rund um den Bereich berichten Personen über zahlreiche brenzlige Situationen am Überweg. Laut Stadt ist der Überweg "unauffällig".
Pietro Antonuccio schaut durchs Schaufenster seines Feinkostladens auf die Alkenrather Straße. Ein Linienbus rauscht flott vorbei. "Haben Sie gesehen? Unverschämt." Ständig gebe es brenzlige Situationen am Zebrastreifen 20 Meter weiter, erzählt Antonuccio. "Jeden Tag quietschen Reifen. Dass der Bereich gefährlich ist, habe ich vorhin auch der Polizei gesagt."
Für einen 54-Jährigen wurde der Zebrastreifen gestern um 7 Uhr fast zur Todesfalle. Als er sein Rad dort über die Straße schob, fuhr ein 22-Jähriger mit seinem Kombi wohl ungebremst in den Mann hinein. Der Radfahrer flog auf die Motorhaube, durchbrach mit dem Kopf die Windschutzscheibe, rutschte kopfüber bis in den Fußraum des Beifahrersitzes. Über 30 Meter vom Unfallort entfernt kam das Auto zum Stehen. Der schwer verletzte 54-Jährige kam ins Klinikum, schwebt aber nicht in Lebensgefahr. Die Alkenrather Straße blieb drei Stunden gesperrt.
Ohne Zebrastreifen
In der Stadt wurden bereits Zebrastreifen entfernt, um die Unfallgefahr zu senken. So ersetzt seit März zwischen Forum und Kinopolis eine Überquerungshilfe (hier haben Autofahrer Vorfahrt) den Zebrastreifen (an dem sich zwei Dutzend Unfälle jährlich ereigneten). Gleiches wurde zuvor an der Wöhlerstraße vorgenommen.
Die Ermittlungen sollen auch zeigen, ob der Unfallwagen richtig freigekratzt oder (wie weitere Fahrzeuge) mit beschlagenen Scheiben unterwegs war. Ein Augenzeuge bezeichnete den Überweg als "gefährliche Stelle", auch weil die Straßenbeleuchtung morgens zusammen mit der aufgehenden Sonne oft ein diffuses Licht erzeuge. Bei der Stadt stehe der Alkenrather Zebrastreifen aber nicht im Ruf eines Unfallbrennpunktes. "Unauffällig" sei der Bereich, sagt Peter Mantler vom Fachbereich Straßenverkehr. Zumal der Überweg durch Blinklichter auffällig hergerichtet worden sei. Hinweise von Polizei oder Bürgern auf eine besondere Gefährlichkeit lägen nicht vor.
Kritiker sind in der Überzahl
In Alkenrath ist der Unfall Gesprächsthema. Die Kritiker des Bereichs sind in der Überzahl. "Mir ist mal jemand hinten drauf gefahren, als ich dort gehalten habe", erzählt Helmut Häseler. Gestern ist er mit dem Rad unterwegs: "Ich warte meist auf eine Lücke zwischen den Autos und gehe dann rüber." Eine Radlerin rät, den Bereich an beiden Seiten mehr von den Pflanzen freizuschneiden. Ein Mann um die 30 Jahre sagt hingegen: "Das ist alles gut beschildert und ausgeleuchtet."
Im nahen Schreibwarengeschäft berichten Benjamin Burg und Jasmin Fengler von einer Kollegin, die beim Überqueren der Straße vor einem Auto zurück auf den Gehsteig springen musste. "Es kommt immer mal wieder zu Auffahrunfällen", sagt Burg, Fengler ergänzt: "Ich glaube, einige Autofahrer wissen gar nicht, dass sie am Zebrastreifen halten müssen."
Einige Bürger plädieren für eine Ampel. Helmut Häseler sieht dagegen nur eine Lösung: "Eine Umgehungsstraße, dann gibt es hier die Verkehrsprobleme nicht mehr."
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