Leverkusen - mit Video: Zu mieten: Schafe als Rasenmäher
VON DOMINIQUE SCHROLLER - zuletzt aktualisiert: 13.05.2010Leverkusen - mit Video (RPO). Drei Schafe hatte sich der Computerfachmann Hans-Michael Jüngling für den heimischen Garten gekauft. Doch die grasten das Grundstück schnell ab. Jetzt vermietet der Witzheldener seine Tiere in fremde Gärten – und der Kundenstamm wird immer größer.
Wohin mit der Wolle?
Einmal im Jahr nach der Schafskälte im Juni lässt Hans-Michael Jüngling seine Tiere scheren. Nur die Wolle wird er anschließend nicht los. Das Vlies muss er daher als Abfallprodukt entsorgen. "Wenn sich allerdings jemand meldet, kann er es gerne haben", sagt der Hobby-Schaf-Besitzer.
Ins Grüne blickt Hans-Michael Jüngling, wenn er aus seinem Bürofenster in Heide schaut. Er genießt die Aussicht, doch zum Rasenmähen fehlt dem Computerfachmann einfach die Zeit.
Nachdem er einen Sommer lang dem Gras beim Wachsen zugesehen hatte, entschloss er sich, die Grünpflege denen zu überlassen, die sich damit auskennen. Er kaufte beim Bauern drei Schafe und überließ ihnen den Garten. "Allerdings habe ich unterschätzt, wie schnell sie mit so einer Fläche fertig werden. Nach zwei Wochen hatten sie 1800 Quadratmeter radikal abgemäht."
Beim Kunden überwintert
Zum Überwintern konnte Hans-Michael Jüngling seine Vierbeiner bei einem Kunden unterstellen, doch bis zum Frühjahr war das Winterquartier ebenfalls abgeweidet. Da sein eigener Rasen noch nicht wieder voll im Saft stand, er aber Futter für seine Tiere brauchte, kam der Unternehmer auf die Idee, die Schafe per Annonce kostenlos als Profi-Rasenmäher anzubieten.
"Das hat sehr gut geklappt. Sie haben jetzt insgesamt 30 000 Quadratmeter vor sich. Damit werden sie bis August beschäftigt sein", sagt der Besitzer zufrieden.
Bei ihm hatten sich gleich mehrere Leute gemeldet, die ihr Grün seinen Tieren zum Fraß vorwerfen wollten. Nicht alle bekamen jedoch den Zuschlag. "Bei zwei Leuten waren die Zäune nicht in Ordnung. Das ist zu gefährlich", betont Hans-Michael Jüngling. Er hat inzwischen für seine Vierbeiner eine Reiseroute durchs Bergische Land zusammengestellt. Je nach Fläche kommt er alle zwei bis vier Wochen mit seinem Anhänger und bringt seine Schafe ins nächste grüne Schlaraffenland. "Die werden in den nächsten Monaten ganz schön herumkommen."
Besondere Leckerbissen erwarten sie bei einem Imbissbudenbesitzer. Der stellt ihnen nicht nur das kniehohe Gras in seinem Garten zur Verfügung, sondern wird sie außerdem mit alten Brötchen verwöhnen. "Darauf sind sie ganz wild. Wenn man sie damit lockt, machen sie sogar Männchen", weiß ihr Herrchen aus Erfahrung. Jüngling spricht ansonsten "Schafisch" mit ihnen. "Ich mähe sie an. Es sind Herdentiere, und darauf hören sie am besten."
Inzwischen hat Hans-Michael Jüngling auch schon Nachwuchs bekommen. "Der Kunde, bei dem sie im Moment stehen, hat mich eines Morgens angerufen und mir mitgeteilt, dass eines meiner Schafe Mutter geworden sei." Sie und das Lamm sind wohlauf. Nach und nach will sich der Witzheldener auf diese Weise eine kleine Herde heranzüchten.
"Bis zu 20 Tiere möchte ich haben." Schäfer zu werden, kann er sich allerdings erst als Rentner vorstellen. Damit es seinen Tieren bis dahin nicht am Futter mangelt, hofft ihr Besitzer, dass sich ihre Qualitäten als Rasenmäher herumsprechen. Eigentlich hatte er sich vorgestellt, dass er aus seinem Bürofenster auf eine Idylle grasender Schafe schaut. Doch so lange seine Tiere auf Reisen sind, geht sein Blick nur ins Grüne.
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