Faustball: Den Ball unterm Kopfkissen
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.12.2009Andreas Weber hört als Jugendwart der Leichlinger Faustballer auf. In seiner Amtszeit stieg die Nachwuchsabteilung des LTV zur Talentschmiede empor. Die Geschichte eines "Faustball-Verrückten".
Wenn Andreas Weber über Faustball spricht, verlieren Floskeln ihre übertragene Bedeutung. "Jede freie Minute" habe er in den zurückliegenden Jahren für die Nachwuchsabteilung des LTV gearbeitet, sagt der 42-Jährige.
"Jede freie Minute" bedeutet dann auch wirklich die komplette Zeitspanne zwischen seiner Arbeit als Materialwirtschaftsleiter im Oberbergischen und dem Ausschalten der Nachttischlampe.
"Andere Hobbys haben da keinen Platz", sagt Weber. Es ist kein Klagen, nur eine Feststellung. Zum Jahreswechsel räumt er seinen Posten – im Guten: Bei der 40-Jahr-Feier der Abteilung am Freitag erhielt er viel Applaus.
Wahlen im Februar
Nachfolger Bei den Vorstandswahlen im Februar soll Webers Nachfolger benannt werden. Die Aufgaben sollen aber auf mehrere Schultern verteilt werden.
Kilometerfresser Auf 10 000 bis 12 000 Kilometer schätzt Weber die Entfernungen, die er jährlich für seine Arbeit bei den Leichlinger Faustballern zurücklegt.
"Kann zufrieden abtreten"
2001 fasste der gebürtige Solinger mit Gleichgesinnten ein ehrgeiziges Ziel ins Auge: Die Jugendabteilung der LTV-Faustballer wollte man in der Breite auf gehobenes Leistungsniveau hieven. "Mir schwebte vor, von der U 12 bis zu U 18 in jeder Altersstufe ein Mädchen- und ein Jungenteam im Spielbetrieb zu haben", beschreibt Weber den damaligen Wunsch – und die heutige Realität. Sieben Jugendmannschaften spielen in den Meisterschaften mit, für Kinder ab sieben gibt es eine Ball- und Spielgruppe.
"Ich kann wirklich zufrieden meinen Posten räumen", sagt Weber, im Hinterkopf die zahlreichen Nominierungen von Leichlinger Jugendspielern für die diversen Landes- und Bundesauswahlen.
Als Ratgeber bleibe er erhalten, sagt Weber. Und die Faustballabteilung, die heute fast 160 Aktive – darunter knapp 60 in der Jugendabteilung – zählt, wird so schnell auch gar nicht ganz auf ihn verzichten wollen.
Denn Weber war "Mädchen für alles". Mannschaftsmeldungen, Auswärtsfahrten, Kader-Lehrgänge, Sponsoren-Akquise – "der Andi", selbst 1984 Deutscher Meister mit der U 18 und danach Nationalspieler, war immer mit im Boot. " Die Beschaffung von Geldern gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Zuschüsse des Gesamtvereins reichen nicht aus", sagt Weber.
Wer, wie er, den Faustball praktisch unter dem Kopfkissen liegen hat, erarbeitet sich über die Jahre einiges Fachwissen. "Ich habe etliche Lehrgänge besucht und besitze wahrscheinlich die in Deutschland größte Bibliothek zum Thema Faustball", sagt Weber. Er tauscht sich mit Bundestrainern aus, pflegt Kontakte nach Österreich und in die Schweiz. Ob die Familie bei all dem mitspielt? Klar, Frau Susanne, Tochter Julia und Sohn Tim sind auch alle Mitglied im LTV und vom Faustball-Virus infiziert. "Über Weihnachten haben wir aber alle Faustball-frei", versichert Weber.
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