Ju-Jutsu: Die Kampfkunst-Kommissarin
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 28.05.2010Beruflich geht Sabrina Hatzky in Leverkusen auf Streife. Abseits davon hat die Polizistin eine steile Karriere im Ju-Jutsu hingelegt: 2009 gewann sie Gold bei den World Games, nun trainiert sie den Bundes-Nachwuchs.
Es war ein turbulenter Tag für Sabrina Hatzky, damals im Juli 2009. In Taiwan ging sie im Ju-Jutsu bei den World Games an den Start. "Im Kampf ums Finale musste ich gegen die Holländerin ran, die mich bei der WM 2008 geschlagen hatte", erzählt sie. Hatzky nahm erfolgreich Revanche für "die bittere Niederlage" ein Jahr zuvor. Auch im Endkampf setzte sie sich durch, gegen eine taiwanesische Lokalmatadorin. "16:10 ging der Kampf aus", erinnert sich Hatzky.
Ihr Alltag hat sie längst wieder eingeholt. Sie und ihren Freund Andreas Kuhl, der am gleichen Tag ebenfalls Ju-Jutsu-Gold gewann bei den World Games, einer Art Olympia für nicht-olympische Sportarten. Nur ist der Alltag der Langenfelderin heute ein ganz anderer: Kommissarin Hatzky tut nicht mehr in Essen Dienst, sondern sie geht und fährt rund um die Wache an der Heymannstraße in Wiesdorf Streife. "Nach Köln wollte ich nicht, daher habe ich mich in Leverkusen beworben", erzählt sie. Zudem ruht ihre aktive Ju-Jutsu-Karriere.
Sabrina Hatzky
Geboren am 19. Februar 1982 in Bocholt
Größe 1,70 Meter
Gewichtsklasse bis 62 kg
Verein SC Budokan Bocholt
Erfolge World Games Siegerin 2009, Vizeweltmeisterin 2006, Deutsche Meisterin 1998, 1999, 2000, 2007, German Open Siegerin 1998, 1999, 2000, 2008.
Bereits seit frühstem Kindesalter kämpfte sie sich die Leiter hoch.Im Sportcenter des Vaters in Bocholt "saß ich erst auf meinem Deckchen und bin dann auf die Matte gewechselt." Erste Lorbeeren verdiente sie sich im Judo, schaffte es bis in den Landeskader. Als die Lust aufs Judo schwand, wechselte sie als Jugendliche zum Ju-Jutsu, bei dem die Kontrahenten in ihre Kämpfe in drei Teile zu untergliedern haben: Zunächst wird aus der Distanz getreten und geschlagen, dann geht es in den Nahkampf, schließlich wird am Boden gerungen. Und in dieser Kampfkunst schaffte Hatzky es rasch und weit nach oben.
Der Erfolg in Fernost in 2009 sei "ein fantastisches Erlebnis", aber auch "ein schöner Abschluss" gewesen. Denn obwohl körperlich im besten Alter und im Kopf mit der nötigen Erfahrung ausgestattet, ist Hatzky wegen langwieriger Probleme mit der Achillessehne kürzer getreten. "Die alte Garde verabschiedet sich langsam", erzählt sie – sie ist gerade mal 28. Sie genieße es, erstmals ihre Freizeit selbst zu gestalten: "Ich habe endlich Zeit für Spontanes. In meiner aktiven Zeit gab es – gerade vor Wettkämpfen – nur arbeiten, trainieren, schlafen."
Neben der Polizeiarbeit hat sich ein neues Betätigungsfeld in der Ju-Jutsu-Familie gefunden: Hatzky gibt Erlerntes weiter, trainiert nun den weiblichen U 21/23-Bundeskader (ihr Freund betreut das männliche Pendant). Es mache mächtig Spaß, potentielle Nachfolgerinnen auszubilden: "Noch könnte ich mit den Mädchen mithalten. Aber sie werden immer besser", sagt Hatzky, legt eine Pause ein und lacht: "Schließlich werden sie ja auch von mir trainiert."
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