Leichtathletik: Ein Einbruch ohne Schaden
VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 23.06.2009Die kleine Schwäche im Speerwurf kann Jennifer Oeser bei ihrem Siebenkampf in Ratingen nichts mehr anhaben. Die Leverkusener Athletin lässt sich nur kurz pflegen und denkt schon wieder an neue Herausforderungen. Trainer Düe: "Sie steckt voller Energie."
Gestern Morgen war sie schon wieder zeitig auf der weitläufigen Anlage in Manfort. Training etwa wie meist im Alltag oder zumindest ein bisschen Bewegung zur Regeneration? "Nee, nee", sagt Jennifer Oeser und lacht, "in den nächsten zwei Tagen mach' ich bestimmt keinen Sport." Was sich die 25-Jährige mit Freuden gönnte als Belohnung für ihre großartige Leistung beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen mit ihren 8442 Punkten und der Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Berlin, war eine ausgiebige Massage. "Ich lege mich auf die Pritsche und lasse mich von unserer Physiotherapeutin Britta Wittmann tüchtig durchkneten", sagt sie, und das Wohlgefallen klingt deutlich durch.
Lange aber wird Jennifer Oeser, die für den Sport vom Dienst freigestellte Polizistin, nicht im Zustand der Muße verweilen. Kann sie auch gar nicht. "Jennifer steckt voller Energie, sie ist sehr gewissenhaft, ehrgeizig und diszipliniert", sagt ihr Trainer Karl-Heinz Düe, der in der Regel fünf Stunden am Tag arbeitend an der Seite der multitalentierten Athletin verbringt. Und dass Oeser stets pünktlich erscheint, erwähnt Düe auch noch. Beamtin eben – zumindest in dieser Beziehung. Und noch während Jennifer Oeser ihrem wohlgebauten Körper – mit enorm breiten Schultern – was Gutes tut, denkt sie bereits ans Weiterkommen. "Gut", betont sie, "Berlin ist jetzt geschafft, das beruhigt. Nun will ich in zwei Wochen aber bei den deutschen Meisterschaften in einzelnen Disziplinen starten." Über die Hürden will sie in Ulm gehen und weitspringen.
"Dieser Weitsprung war der Hammer", sagt Oeser und kommt noch mal auf ihre herausragende Vorstellung im Siebenkampf von Ratingen zu sprechen. Auf 6,50 Meter ist sie geflogen nach 6,09 zu Beginn. "Das hat natürlich gepasst", meint Karl-Heinz Düe, der sich als alter Fahrensmann auskennt mit den Unwägbarkeiten während eines schlauchenden Parforce-Programms: "Das geht so gut wie gar nicht, dass eine Athletin sieben Bestleistungen aufstellt." Oesers Zeiten, Weiten und Höhen in Ratingen im Überblick: 13,36 Sekunden über die 100 m Hürden, 1,81 Meter im Hochsprung, 14,17 Meter im Kugelstoßen, 24,48 Sekunden über die 200 Meter, 6,50 m im Weitsprung, 42,12 m im Speerwurf und 2:12,70 Minuten über die 800 Meter.
"Im Speerwurf", sagt Oeser, "das war noch mal so'n kleiner Einbruch." Aber das hat die 25-Jährige nicht mehr aus der Balance gebracht. Gefahrenpotenzial ist aber noch vorhanden, wenn es mal nicht ganz rund läuft bei Oeser. "Jennifer hat die Fähigkeit, sich stark zu pushen. Aber sie kann sich auch emotional runterziehen", beschreibt Trainer Karl-Heinz Düe einen weiteren Wesenszug seiner Schutzbefohlenen. Gestern war Jennifer Oeser bestens drauf.
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