Bayer 04: Freie Fahrt für alle
VON UDO BONNEKOH - zuletzt aktualisiert: 02.10.2006Bayer erwischte einen Start mit Hindernissen gegen die Schalker. Nach dem Ausgleich ging dafür mächtig die Post ab und die Leverkusener nahmen im Kollektiv die Huldigungen der begeisterten Fans entgegen.
Die Leverkusener präsentierten sich einheitlich als Spaßgesellschaft, die BayArena mutierte zu einer Art Freudenhaus mit ganz zufriedenen Kunden und fröhlicher Belegschaft. Den Huldigungen von den Rängen vermochte sich nach dem 3:1 gegen den FC Schalke kein Bayer-Profi zu entziehen nach einem beglückenden Auftritt. Ob Torwart Jörg Butt, ob Carsten Ramelow, der nach seinem Treffer gegen Sion am Donnerstag und mit seinem Tor zum 3:1 gestern gegen Schalke etwas für ihn Außergewöhnliches erlebte, ob Andrej Voronin – sie alle wurden von Leverkusens enthemmten Sympathisanten in den Status von Helden gehoben. Gonzalo Castro, explodierend wie selten, nahm in Form von Ovationen der Kollegen den Ritterschlag entgegen – zwei Treffer auf einen Streich, die Bundesliga-Tore zwei und drei für ihn, herrlich.
„Unser Physiotherapeut Dieter Trzolek hat mir ein Tor prophezeit“, erklärte der kleine Deutsch-Spanier, der vor dem 2:1 gesehen hatte, dass „der Rost zu weit vorne steht“. Bernd Schneider, einer der Veteranen im Team, fand „super und Klasse, was der Gonzo da gemacht hat“. Der 19-Jährige bewegte sich wie schon gegen die Schweizer im Uefa-Cup beschwingt auf der linken Seite. „Ob links oder rechts – bei mir läuft es im Moment“, sagte Castro. Dass es nach arg schwächlichem Beginn auch auf der rechten Seite lief, war eher dem Zufall geschuldet. Ahmed Madouni, schwer indisponiert, musste raus, weil er dem Platzverweis beim zweiten Foul mehr als nur nahe war. Als Karim Haggui schließlich nach innen rücken durfte für Madouni, gewann das Team sofort an Festigkeit und Ordnung, die beim 0:1 noch völlig gefehlt hatte.
„Es ist wichtig, dass wir immer wieder die Leidenschaft ins Spiel reinbringen“, erklärte Simon Rolfes, der im Mittelfeld diesmal etwas im Schatten von Carsten Ramelow stand, der so frisch wirkte wie nach einer Verjüngungskur. Der Wendepunkt zur Passion im Spiel der Leverkusener ließ sich ziemlich genau festmachen mit dem Ablauf jener Szene, an deren Ende ein 1:1 auf der Anzeigetafel leuchtete. Schalke verlor den Ball nach Einwurf, die Post ging ab zu Castro, der da erstmals an diesem Abend zeigte, zu welcher Übersicht und zu welchen technischen Feinheiten er fähig ist. Sein 2:1 bedeutete schließlich freie Fahrt für alle.
Am Ende des gelungenen Werktages, der auch ein sportlicher Feiertag war, herrschte in Leverkusen allenthalben Hochstimmung. „Ich bin sehr froh, dass wir dieses Spiel, nach diesen 20 starken Schalker Minuten haben kippen können. Und wir haben endlich einmal eine Rückstand umgebogen“, betonte Trainer Michael Skibbe.
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