Leichtathletik: Grundausbildung mit Regelbuch und Pistole
VON CHRISTIAN BUHL - zuletzt aktualisiert: 08.02.2012Leichtathletik (RP). Die Athleten wirken konzentriert, die Muskeln sind angespannt, alles ist darauf vorbereitet, aus dem Startblock zu schnellen. Dann das Startsignal. Doch bevor die Sportler die ersten zehn Meter zurücklegen, ertönt ein zweiter Schuss.
Abbruch des Laufs. Fragende Gesichter unter den Sportlern. Was ist passiert? Der Starter hat einen Verstoß beobachtet, und die Zeitlupe gibt ihm Recht. Der Läufer auf Bahn fünf ist zu früh gestartet, und somit liegt ein Verstoß gegen Regel 162 der Internationalen Wettkampfregeln vor. Die Folge ist eine Disqualifikation für den Fehlstarter und ein Neustart für die anderen.
Was hier als Video läuft, ist eines von vielen praktischen Beispielen, die den neun Teilnehmern der "Starter-Grundausbildung" des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein (LVN) auf der Sportanlage in Manfort unter Leitung von zwei erfahrenen Referenten bei der Beurteilung von kritischen Szenen helfen soll.
Der Fehlstarter war in diesem Fall kein geringerer als Usain Bolt, der schnellste Mensch der Welt. Mit ihm werden es die Teilnehmer zwar vorerst nicht persönlich zu tun bekommen, auf Kreisebene hingegen können sie nach der Ausbildung schon Erfahrungen sammeln.
Mittlerweile ist es theoretischer geworden. Es wird die Frage diskutiert, ob ein Krampf des Sportlers als Fehlstart zu werten ist. Die Teilnehmer einigen sich nach ausgiebiger Diskussion auf eine disziplinarische Verwarnung. Nun gilt es zu klären, welche Karte gezeigt werden muss. Wilfried Fittko, einer der Referenten, stellt die diagonal-halbierte, gelb-schwarze Karte, die komplett rote und die schwarz-rote Karte zur Auswahl. Unter den angehenden Startern herrscht Uneinigkeit. Das Regelbuch wird zur Hand genommen.
Das Teilnehmerfeld ist bunt gemischt. Neben einigen Athleten vom TSV Bayer 04 sind erfahrene Kampfrichter anwesend, die sich speziell auf die Aufgaben des Starters vorbereiten wollen. Geprüft wird heute nicht. Es geht nur um die Vermittlung wichtiger Inhalte.
Nach kurzer Mittagspause wartet die "Nullprobe": Mit der Schreckschusspistole schießt Marc Klages, zweiter Referent und selbst erfahrener Starter, in Richtung einer Kamera. Die Teilnehmer zucken, weil der Schuss lauter war als angenommen, die Konzentration kehrt aber sofort zurück. Die Blicke richten sich gespannt auf einen Bildschirm, der den Zeitpunkt des Schusses mit dem Start der Zeitmessung vergleicht. Ein einvernehmliches Nicken unter den Teilnehmern bestätigt den Referenten, dass alles funktioniert hat und verstanden wurde.
Mit der Grundausbildung zum Starter ist jeder der Teilnehmer in der Lage, auf Kreisebene Wettkämpfe zu leiten. Dabei gibt es durchaus Aufstiegsmöglichkeiten. Wer über die nötige Erfahrung verfügt, könnte in einigen Jahren theoretisch zu den internationalen Top-Startern gehören – und müsste einen Fehlstart von Usain Bolt auch nicht mehr nur im Video ansehen.
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