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Fußball: In Witzhelden bricht der Pfosten

VON PATRICK PLEWE - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010

Wie anno 1971 am Mönchengladbacher Bökelberg knickte gestern auch auf dem Aschenplatz des VfL eine Torstange ein.

Die Beteiligten des Bezirksligaspiels gegen Wermelskirchen nahmen es mit Humor. Reparatur-Ideen wurden aber schnell wieder verworfen.
Die Stelle, an der der Bruch ins Spiel kam: Schiedsrichter Stefan Thölen (links) und Witzheldens Trainer Michael Wagner am kaputten Pfosten.  Foto: RPO
Die Stelle, an der der Bruch ins Spiel kam: Schiedsrichter Stefan Thölen (links) und Witzheldens Trainer Michael Wagner am kaputten Pfosten. Foto: RPO

Es scheint auf den ersten Blick töricht und unangebracht, eine Begegnung der Fußball-Bezirksliga mit einem Bundesligaspiel zu vergleichen. Wohl selten war ein solches Gleichnis jedoch so passend wie bei der gestrigen Partie des VfL Witzhelden gegen den SV 09/35 Wermelskirchen. Denn als Reaktion auf die Geschehnisse in der 37. Minute war – zumeist von älteren Zuschauern – immer wieder ungläubig zu hören: "Wie in Mönchengladbach damals."

Grund für die plötzlich auftretende Nostalgie im Höhendorf war ein Pfostenbruch. Denn als ein Spieler der Wermelskirchener an einer Freistoßhereingabe vorbeigesegelt war, wollte er sich – im Stile eines Bundesligaprofis – lässig im Netz des Tores wieder auffangen. Dumm nur, dass eben jenes Gehäuse offenbar nicht ganz so stabil wie sein Pendant in der BayArena war und spontan nachgab. Schiedsrichter Stefan Thölen brauchte im Anschluss daran nicht lange zu überlegen, um eine Entscheidung zu treffen. Die lautete auf Spielabbruch. "Ich pfeife jetzt seit 23 Jahren, aber so etwas habe ich auch noch nicht erlebt", sagte der Spielleiter fassungslos. Auch Michael Wagner, Trainer des VfL Witzhelden, konstatierte mit einem Schmunzeln: "Im Fußball gibt´s immer was Neues."

Info

Berühmtes Vorbild

Am 3. April 1971 wurde die Bundesligapartie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem SV Werder Bremen beim Stande von 1:1 abgebrochen. Die Begegnung wurde 2:0 für Bremen gewertet.

Sein Team hatte die Partie bis zu eben jener ominösen Spielminute ausgeglichen gehalten, dabei zwar weniger spielerisch, jedoch kämpferisch überzeugt und sich engagiert präsentiert. Ein bisschen ärgerte es ihn daher schon, dass seiner Mannschaft die Chance geklaut wurde, im vierten Spiel endlich die ersten Zähler der Saison einzufahren. "Jetzt haben wir zwar immer noch null Punkte", erklärte Wagner und fügte verschmitzt hinzu: "aber eben heute auch nicht verloren."

Gegen einen schnellen Wechsel des Tores hätte Wagner wohl also auch nichts gehabt. Die Idee einiger handwerklich versierter Zuschauer, dass gesamte Gehäuse herauszureißen und ein frei stehendes Tor dort anzubringen, wäre jedoch zu kompliziert zu realisieren gewesen. "Das Tor hätten wir erst einmal transportieren, fest anbringen und sichern müssen", erläuterte Schiedsrichter Thölen. Dies wäre nicht nur arbeitstechnisch aufwendig gewesen, sondern hätte auch große zeitliche Verzögerungen nach sich gezogen. In dem Zusammenhang erinnerten schließlich die jüngeren Zuseher in Witzhelden an die Worte von Günther Jauch und Marcel Reif bei dem "Torfall" im Champions-League-Spiel zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund im Jahr 1998: "Ein Tor würde dem Spiel jetzt gut tun."

VfL: Weyer, Albers, Nimpsch, Trotta, Rößler, Kühl, Horeis, Baron, Thelen, Schmitz, Böhler (15. Koch).

Quelle: RP
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