Kirstens Herz für die Jugend
VON PATRICK PLEWE - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010Seit über sechs Jahren unterstützt Bayers ehemaliger Torjäger die Nachwuchsarbeit von wirtschaftlich schwachen Vereinen. Inzwischen hat er für Ulf-Kirsten-Stiftung mehrere hunderttausend Euro "eingetrieben".
Der sonst etwas knorrig wirkende Ulf Kirsten wird offen und gesprächig, wenn er von seiner Stiftung erzählt. Mehr sogar: Seine Augen beginnen zu leuchten, die Stimme hebt und senkt sich im Wechselspiel. "Natürlich möchte ich dadurch etwas von meinem Glück zurückgeben", erzählt der Trainer von Bayer II. Man merkt, dass dieses Projekt etwas Emotionales, etwas Bedeutendes für ihn ist. Das Wort "Herzensangelegenheit" vermeidet Kirsten, da bleibt er knorrig.
Rückblick: Am 16. November 2003 findet sein Abschiedsspiel im alten Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion statt. Es war sein Wunsch, seine Karriere dort zu beenden, wo sie auch begann – bei Dynamo Dresden, seinem Jugendverein, dem er heute noch eng verbunden ist. "Ich habe damals gesagt: Wenn ich das Abschiedsspiel dort machen kann, dann versuchen wir mit den Einnahmen auch etwas für die Jugend des Klubs auf die Beine zu stellen", sagt Kirsten rückblickend.
"Wie vor 30 Jahren"
Es sollte sich lohnen: 75 000 Euro landeten in der Kasse, Verwendung war schnell gefunden: Das Nachwuchsleistungszentrum von Dynamo Dresden war marode, die Umkleidekabinen mangelhaft. "Die Verhältnisse waren so wie vor 30 Jahren, als ich selber noch dort gespielt habe", erzählt Kirsten lächelnd. Mit den Geldern wurden die Gebäude saniert und renoviert, auch beim Bau neuer Kunstrasenplätze beteiligte sich der "Schwatte". Kirsten gefielen das Resultat und die Reaktionen, die "glitzernden Augen der Jungs, die sich über die Plätze, Bälle oder Trikots freuten", so sehr, dass sein Abschiedsspiel zum Startsignal wurde: zum Startschuss für die Gründung der "Ulf-Kirsten-Stiftung".
Einige Monate später, im Juli 2004, folgte das "Richtfest" dieses Projekts. Seitdem kamen mehrere hunderttausend Euro zusammen, die sofort an verschiedene Vereine flossen. Um die Organisation der Stiftung kümmert sich hauptsächlich Kirstens ehemaliger Mitspieler und Freund Ralf Minge. Die Gelder treibt der einstige Torschützenkönig hingegen selber ein. Sie stammen etwa aus Autogrammstunden, meist sind es aber Spenden. "Ich spreche viele ehemalige Mitspieler an. Jens Jeremies zum Beispiel hat eine größere Summe gegeben", ergänzt er. Unterstützt wurden neben Dynamo Dresden auch andere Vereine aus dem Osten Deutschlands.
"Mittlerweile ist die Stiftung aber so gut aufgestellt, dass wir sie bundesweit ausbauen können", berichtet Kirsten nicht ganz ohne Stolz. Dabei geht es ihm vor allem um die Talentförderung und Jugendarbeit von wirtschaftlich schwachen Vereinen, denn Ulf Kirsten stellt klar: "Viele Klubs sind auf das Fundament, die Jugend, angewiesen. Wenn das aber nicht stimmt, ist es schwierig, jemanden nach ganz oben zu bringen. So muss wieder ein Spieler von außerhalb geholt werden. Der hat dann aber nicht die richtige Bindung und das Herz für den Verein." Aha, also doch eine Herzensangelegenheit.
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