Fußball: "Momentan ist alles noch offen"
zuletzt aktualisiert: 15.06.2010Nach fast zwölf Jahren bei Bayer 04 Leverkusen hat Markus Happe (38) seine aktive Karriere beendet und spricht über prägende Figuren und seine Perspektiven für die Zukunft.
Vor einigen Tagen haben Sie das letzte Spiel Ihrer Karriere bestritten. Wie fühlen Sie sich als "freier Mann"?
Markus Happe Das kann ich noch gar nicht sagen, da es momentan so ist, wie es die letzten zwanzig Jahre auch war: Es ist Urlaub. Im Juli ging es ja immer erst wieder los. Dann werde wahrscheinlich auch ich realisieren, dass ich aufgehört habe.
Wie sah Ihre Gefühlswelt aus, als die letzte Partie abgepfiffen wurde?
Happe Ich habe die Woche davor schon versucht zu begreifen, dass dies jetzt das letzte Training und die letzte Busfahrt zum Spiel ist. Aber ich musste keine Träne verdrücken.
Fünf Vereine
1990-1991 Preußen Münster (24 Spiele/0 Tore)
1991-1999 Bayer 04 Leverkusen (188/8)
2000-2002 FC Schalke 04 (26/1)
2002-2003 1. FC Köln (28/2)
2004-2007 Kickers Offenbach (93/2)
2007-2010 Bayer Leverkusen II (78/4)
Was waren die besonderen Momente Ihrer Karriere?
Happe Einer dieser Momente war, als ich vom Zweitligist Kickers Offenbach das Angebot hatte, ein weiteres Jahr zu verlängern, mich aber entschied, zur Amateurmannschaft von Bayer 04 zu gehen. Das war ein einschneidender Moment, weil damit meine Profilaufbahn vorbei war. Da habe ich schon auf meine Karriere zurückgeblickt. Die letzten drei Jahre haben richtig Spaß gemacht. Von der Intensität war es zwar nicht so belastend wie davor, was mir in meinem Alter aber entgegengekommen ist (lacht).
Die letzten Jahre waren also Zugabe?
Happe Ja, damals kam das Angebot von Bayers Zweiter über drei Jahre, mit der Zusage, nach und nach die Trainerscheine zu machen. Dafür bin ich Bayer 04 sehr dankbar.
Welche Rolle hat Bayer Leverkusen in Ihrer Karriere gespielt?
Happe Es war meine wichtigste und schönste Station. Ich war zuerst neun, dann wieder drei Jahre hier. Vor allem die Zeit mit Christoph Daum, die erste Saison, in der wir fast Meister geworden wären, bleibt unvergessen.
Gibt es Personen, die besonders wichtig in Ihrer Karriere waren?
Happe Neben Christoph Daum auf jeden Fall Dragoslav Stepanovic. Ein spezieller Typ, mit dem ich aber gut ausgekommen bin. In negativer Hinsicht Huub Stevens bei Schalke. Das war eine Zeit, wo es etwas bergab ging. Von den Spielern her Bernd Schuster. Ein absoluter Weltstar, der aber in Kleinigkeiten total professionell war. Es war beeindruckend, wie selbstverständlich er so etwas wie das Autogrammkarte-Schreiben erledigte. Da können sich viele junge Spieler heutzutage eine Scheibe von abschneiden.
War Schuster auch der beste Fußballer, mit dem Sie zusammengespielt haben?
Happe Ja, er war zwar nicht mehr der Schnellste, aber er hatte ein Auge – das war schon fantastisch. Seine drei Tore damals, die auch die ersten drei Plätze bei der Tor-des-Jahres-Wahl belegt haben, waren unvergessen, weil ich da mit auf dem Platz stand und damals dachte: Meine Güte, wo schießt er den Ball hin? Das war schon sensationell.
Die notwendigen Scheine haben Sie ja schon, werden Sie nun Trainer?
Happe Eventuell. Es war im Gespräch, Co-Trainer bei Bayers U 19 zu werden. Aber das Angebot war nicht so verlockend, hat mir keine Perspektive geboten. Daher habe ich abgesagt. Momentan ist es also noch offen, wo es hingeht. Wobei ich nicht auf den Fußball fixiert bin, ich schaue mich großflächig um. Es kann gut sein, dass ich etwas außerhalb vom Fußball machen werde.
Patrick Plewe führte das Gespräch.
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