Behindertensport: Quades kanadische Mission
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 27.01.2010Karl Quade, Abteilungsleiter Behindertensport beim TSV Bayer 04, ist Leiter des deutschen Teams bei den Paralympics in Vancouver. Der 55-Jährige fungiert als Ansprechpartner für Sportler, Veranstalter und Politik.
Wenn Karl Quade am 3. März das Flugzeug gen Vancouver besteigt, ist es für ihn keine Reise ins Ungewisse. Erstens sind es bereits die achten Paralympics seit Atlanta 1996 (vier Sommer-, vier Winterspiele), zu denen der promovierte Sportwissenschaftler als "Chef de Mission" anreist, zum anderen hat er die Wettkampfstätten in Vancouver und Whistler bereits im vergangenen März begutachtet. "Es wird alles perfekt", ist sich Quade sicher. Während in Vancouver selbst Eröffnungs-, Schlussfeier und die Curling-Wettkämpfe stattfinden, werden die Rennen im Schnee im 120 Kilometer entfernten Wintersportort Whistler ausgetragen.
So lief es 2006 in Turnin
Medaillenspiegel der letzten Paralympics:
1. RUS 13 Gold/13 Silber/7Bronze
2. D 8 Gold/5 Silber/5 Bronze
3. UKR 7 Gold/9 Silber/9 Bronze
4. FRA 7 Gold/2 Silber/6 Bronze
5. USA 7 Gold/2 Silber/3 Bronze
6. KAN 5 Gold/3 Silber/5 Bronze
7. ÖST 3 Gold/4 Silber/7 Bronze
22 Athleten umfasst das deutsche Team, dass der gebürtige Essener im Olympischen Dorf in Empfang nehmen wird. Es wären mehr gewesen, wenn sich die Eishockey-Männer qualifiziert hätten. Sportler und Trainer samt deren Fragen zu Unterkunft, zu Transfers und alltäglichen Abläufen sind dabei nur ein Puzzlestück der Arbeit von Quade und seinem Team. "Wir sind zudem Ansprechpartner für den Ausrichter, für Sponsoren und auch für Politiker aus Deutschland, die die Paralympics besuchen", sagt Quade. Ex-Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) habe sich für einen Trip nach Vancouver angekündigt. Es gehe um Kommunikation nach innen und Darstellung des Teams nach außen, sagt Quade.
Die Vorbereitungen für die Spiele 2010 waren schon im Gange, als die in Peking noch gar nicht angefangen hatten. Quade ist stets mittendrin – in allen Fragen der "Reiseleitung", aber auch als Mitglied der Athleten-Nominierungskommission. Der in Pulheim wohnende Träger des Bundesverdienstkreuzes ist Vizepräsident Leistungssport beim Deutschen Behindertensport-Verband (DBS) und Leiter der Behindertensportabteilung beim TSV Bayer 04. Schließlich bestimmt der Sport auch beruflich und familiär das Leben des dreimaligen Paralympics-Teilnehmers und Goldmedaillengewinners von 1998 mit der Standvolleyball-Auswahl: Quade arbeitet im Bonn beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft als Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung, seine Frau Petra holte 1984 und 1988 sechs Goldmedaillen in Sprint, und Tochter Ann-Christin läuft in der Volleyball-Bundesliga auf.
Winter-Paralympics seien immer etwas völlig anderes als Sommerspiele, sagt Quade. Mit weniger Athleten (600 in Vancouver statt 4000 in Peking) gehe es familiärer zu, dafür brächten Transport und Alltag gerade auch für die Rollstuhlfahrer mehr Hindernisse zwischen A und B mit sich. Allerdings keine, die Quade und sein Team nicht in den Griff kriegen würden.
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