Leichtathletik: Sextett mit viel Hoffnung
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 27.07.2010Ein Mann und fünf Frauen vertreten ab heute den TSV Bayer 04 bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona. Die besten Chancen auf eine Medaille haben Silke Spiegelburg und Jennifer Oeser.
Esser muss zuerst ran
Als erster TSV-Athlet greift heute Vormittag Markus Esser ins EM-Geschehen ein. Dann gilt es, sich für das Finale morgen Abend zu qualifizieren. Ebenfalls heute wartet die Qualifikation auf die beiden Leverkusener Speerwerferinnen. Im Erfolgsfall wartet am Donnerstagabend der Endkampf auf Linda Stahl und Katharina Molitor.
Sechs von 73 deutschen Startern bei den heute beginnenden Titelkämpfen in Barcelona kommen aus Leverkusen. Die Erfolgsaussichten für das Sextett sind nicht schlecht, findet der Geschäftsführer der Bayer-Leichtathleten: "Silke Spiegelburg und Jennifer Oeser haben gute Chancen auf eine Medaille, bei den Werfern müssen wir die Tagesform abwarten", sagt Paul Heinz Wellmann.
Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Rücken tritt Silke Spiegelburg an. 4,71 Meter hat die 24-Jährige in diesem Jahr bereits überquert und will endlich 4,75 Meter übertreffen. Gelingt es ihr in Barcelona, könnte sie einen ganz großen Stabhochsprung-Triumph feiern. Denn die russische Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa hat eine Pause eingelegt und die ärgste Konkurrentin in der Diamond League, Fabiana Murer, ist als Brasilianerin nicht startberechtigt. Zu erwarten ist eine enge Entscheidung, da gleich mehrere Konkurrentinnen (darunter die Mainzerin Carolin Hingst) in Spiegelburgs Liga springen.
Mit berechtigter Medaillen-Hoffnung geht auch Siebenkämpferin Jennifer Oeser an den Start. Hartnäckig hat sich die 26-Jährige in den Bereich der 6500-Punkte-Marke vorgekämpft, diese bislang aber mehrfach knapp verpasst. Ihre beste Leistung gelang ihr in diesem Jahr beim Sieg in Ratingen: 6427 Punkte. Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM in Berlin (2009) will sie unbedingt wieder Edelmetall. Der zweite Platz ist möglich, Gold liegt wohl außer Reichweite für Oeser – die Medaille scheint für die britische Weltmeisterin Jessica Ennis reserviert.
Als einziger Mann aus Leverkusen hat sich Markus Esser für die EM qualifiziert. In Braunschweig sicherte sich das TSV-Eigengewächs mit 78,46 Meter den vierten nationalen Titel und schob sich im Europa-Vergleich unter die besten sechs Hammerwerfer in diesem Jahr. An seine Bestleistung (81,10 Meter) aus dem Jahr 2006 kommt der 30-Jährige zwar nicht mehr heran. "Aber vielleicht haut er ja noch mal richtig einen raus", sagt Wellmann.
Das haben sich auch zwei Leverkusenerinnen vorgenommen, die in Barcelona das Erbe von Steffi Nerius antreten. Nach ihrem Rückzug sind nun Linda Stahl und Katharina Molitor im deutschen Speerwurf-Team vertreten. Bei der Deutschen Meisterschaft entschied die 26-jährige Molitor das TSV-interne Duell noch für sich, holte den Titel und stellte in diesem Jahr erneut eine persönliche Bestleistung auf. Ihr Ziel ("Ich möchte unter die besten Acht") wird von Stahls Erwartung noch übertroffen: "Ich möchte besser sein als bei der WM 2009", unterstreicht die 24-Jährige. Vor einem Jahr wurde sie Sechste.
Die undankbarste Aufgabe aus dem Bayer-Sextett fällt Wiebke Ullmann zu. Die 22-Jährige muss abwarten, ob sie starten darf: Die deutsche 400-Meter-Hallenmeisterin wurde als Ersatz für die Staffel nominiert – und darf das getrost bereits als Erfolg für sich verbuchen.
Fotos: Birkenstock (5), Miserius (Archiv).
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