Leichtathletik: Spiegelburg: mit Yoga ganz nach oben
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 30.07.2010Die Qualifikation schien leicht wie ein Kinderspiel. Mit beruhigendem Abstand flog Silke Spiegelburg über die Latte, die auf 4,40 Meter Höhe lag, plumpste ins Kissen, ließ sich in den Stand federn.
Souverän meisterte die Stabhochspringerin des TSV Bayer 04 ihre erste Aufgabe bei den Europameisterschaften in Barcelona. Die eigentliche Prüfung steht ihr heute Abend im Hauptprogramm bevor, wenn sie das deutsche Trio, zu dem auch die Mainzerin Carolin Hingst und Lisa Ryzih aus Ludwigshafen gehören, anführt.
Im Hotelzimmer wird sie sich mit Yoga einstimmen, bevor der Bus sie ins Stadion bringt. "Wenn ich hypernervös bin, komme ich dadurch wieder runter", sagt sie, "und falls ich ein bisschen schlapp sein sollte, muntert mich die dosierte Spannung wieder auf."
Der Wettbewerb (ab 18.30 Uhr) ist offen, nachdem Jelena Isinbajewa, über Jahre die Königin des Stabhochsprungs, wegen Erschöpfung eine Auszeit genommen hat. Spiegelburgs Chancen auf eine Medaille haben sich auch durch den Verzicht der hoch eingeschätzten Polin Anna Rogowska verbessert.
Zu einer unberechenbaren Größe könnte allerdings der Wind werden, der in unberechenbaren Böen über den Montjuic fegt. Vor allem Seitenwind mögen die Athleten nicht. Von der Tribüne aus darf Trainer Leszek Klima zwar Hinweise geben, doch aus der Distanz kann er die genauen Verhältnisse auf der Anlaufbahn nur schwer einschätzen.
Spiegelburg erwartet ein Pokerspiel, in das zunächst die Russin Swetlana Feofanowa mit den besten Karten geht. "In unserem Wettbewerb ist alles sehr eng beisammen", sagt sie, "die Tagesform entscheidet." Für alle gilt es zu überlegen, wann sie einsteigen, wann sie Höhen auslassen, wo sie ins Risiko gehen. Denn es kann gut sein, dass die Zahl der Fehlversuche am Ende über die Medaillen entscheidet.
Silke Spiegelburg zielt auf die Höhe von 4,75 Meter ab. In der Halle hat sie die schon einmal gemeistert. Doch trotz einiger vielversprechender Versuche hat es im Freien bisher nicht geklappt. Obwohl sie erst 24 Jahre alt ist, bringt sie ausreichend Erfahrung ein. Sowohl bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen als auch 2008 in Peking ging sie an den Start. Bei der WM im vergangenen Jahr in Berlin vergoss sie Tränen, als es nur zu Platz vier gereicht hatte.
Spiegelburg zeigte sich häufig in diesem Sommer. Noch am Donnerstag vor Beginn der WM trat sie beim Diamond-League-Meeting in Monaco an. Das, so sagt sie, habe auch finanzielle Gründe. Ihren Lebensunterhalt habe sie zu bestreiten. Und auch die Studiengebühren belasten ihren Etat. Rund 700 Euro kommen für die Studentin der Gesundheitsökonomie da in jedem Semester zusammen. In Barcelona gibt es freilich keine Siegprämien.
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