Schach: Zwischen Dame und Müllermilch
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.01.2010Leverkusens 22. Stadtmeisterschaft im Schach startete in dieser Woche mit einem Teilnehmerrekord. Ein Besuch in der Wiesdorfer Bürgerhalle zeigt: Die Anhänger des Brettspiels sind so vielfältig wie die Möglichkeiten der Züge.
Der Unterschied zwischen Breiten- und Leistungssport misst sich beim Schach in Lautstärke. Während bei WM-Partien jeder Räusperer eines Zuschauers böse Blicke seines Umfelds nach sich zieht, ist beim Denksport auf Freizeitniveau ein gewisser Geräuschpegel Normalität. Auch in Leverkusen. Beim Auftakt der Stadtmeisterschaften. Unter 115 Teilnehmern.
Es ist ein bizarres Konzert an diesem Abend in der Wiesdorfer Bürgerhalle mit entweichender Kohlensäure aus diversen Trinkflaschen, dem Knarzen von Holzstühlen auf dem Boden und flüsternden Schritten der Beteiligten entlang der sechs aufgebauten Tischreihen. Im Hintergrund ist die grün-rot-blaue Karnevalsdekoration unter der blechernen Lüftungsanlage zusammengeschlungen, in einer Ecke bedienen fleißige Helfer die Spieler mit Getränken jeder Couleur. Die einen schwören auf Kaffee, die anderen auf Cola. Auch Wasser und Milch stehen hoch im Kurs. Dazu Schokoriegel und mitgebrachte Butterbrote. Gehirnzellen wollen gefüttert werden. Nicht nur mit Speis und Trank, auch mit Bewegung, also stehen viele nach gesetztem Zug auf, schlendern an der Konkurrenz entlang, erleichtern die nervöse Blase oder gönnen sich eine Zigarette.
Termine
Die weiteren Spieltermine der Stadtmeisterschaften. Gespielt wird immer montags, ab 19 Uhr, in der Bürgerhalle Wiesdorf.
1. Februar
22. Februar
8. März
22. März
12. April
26. April
Teilnehmer von 14 bis 80 Jahren aus fast 50 verschiedenen Vereinen des Schachverbandes Mittelrhein sind auf Einladung des Schachclubs Bayer Leverkusen angereist. Vom Internationalen Meister bis zur Nachwuchshoffnung ist alles vertreten, vom Trainingsanzug-Spieler zum Kontrahenten in Schlips und Sakko. Nach der Höhe der "Deutschen Wertungszahl" (DWZ) werden die Paarungen in dieser ersten von sieben Runden ermittelt. Der Sieger, der am 26. April feststeht, nimmt 350 Euro Preisgeld mit nach Hause. Viel Geld für viele Getränke bei den netten Bedienungen im Schankbereich in der Saal-Ecke.
Es geht harmonisch zu bei den direkten Duellen zwischen schwarzen und weißen Figuren. Die Turnierleitung weist vor Beginn darauf hin, dass eventuelle Unstimmigkeiten "mit erlaubten Mitteln" zu klären seien. Schiedsrichter gebe es nicht. Dafür genügend Uhren für die Bedenkzeit – digital und analog – und Spielfelder – mit Holzunterbau oder auf Pappe. Materialspenden anderer Vereine halfen, den Rekordansturm der Teilnehmer zu bewältigen.
Die kürzeste Partie ist nach einer halben Stunde zu Ende, die Kontrahenten mit der längsten Ausdauer gehen nach vier Stunden mit einem Unentschieden auseinander.
Info Ergebnisse unter www.schachclub-bayer-leverkusen.de
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