Radevormwald: 100 Jahre erfolgreich am Markt
VON WOLFGANG SCHOLL - zuletzt aktualisiert: 16.01.2010Radevormwald (RPO). 36 Mitarbeiter der Robert Wagner Schloss- und Waggonbeschlägefabrik feierten gestern ein seltenes Jubiläum: Ihr Unternehmen wurde 100 Jahre alt. Vor Weihnachten erhielt das Unternehmen einen großen Auftrag aus China.
Schlösser und die Weiterentwicklung moderner Schließkomponenten, das ist seit 100 Jahren das Geschäft des Unternehmens, das Robert Wagner Ende 1909 an der Blumenstraße gründete, weil es damals dort schon Elektrizität gab. Der Familienbetrieb wurde von Sohn Walter 1938 übernommen. In dritter Generation ist Reinhold Wagner seit 1974 mit im Geschäft, seit 1991 als Geschäftsführer.
Auch für Robert Wagner gilt, dass neue Produkte und die Produktion mit neuen Techniken in regelmäßigen Abständen unerlässlich sind. CNC-, Laser- und modernste Abkanttechnik sind deshalb für die 36 Mitarbeiter selbstverständlich. Für den Bürger sind die Produkte oft nicht sichtbar. Wer aber zum Beispiel mit einem ICE der Deutsche Bahn AG unterwegs ist, der "fährt" mit Wagner. Bis zu 16 Komponenten der Schließ- oder Bremssysteme vom Scharnier für Pendeltüren bis zu sensorgesteuerten Wasserzuläufen liefert die Schloss- und Waggonbeschlägefabrik.
Bis zu 95 Prozent der Produktion wandern in Personenzüge oder in Straßenbahnen. "Dieser Produktionszweig ist derzeit krisensicher, weil immer neue Züge gebaut werden müssen. Das macht uns in dieser Zeit ein Stück krisenunabhängig", sagt Reinhold Wagner.
Für Schienenverkehr entwickelt
Schon Anfang der 20er Jahre wusste Robert Wagner, der von 1946 bis 1948 auch Radevormwalder Bürgermeister war und in dessen Zeit der Vorgänger des heutigen Johanniter-Krankenhauses gebaut wurde, dass er mit Schmiede und Schlösserproduktion alleine nicht überleben kann. Ins Spiel kam der Schienenverkehr, so dass im Unternehmen in Spitzenzeiten Mitte der 30er Jahre bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigt waren.
Produziert werden heute auch zum Beispiel Scharniere für Klapptische oder behindertengerechte Ausstattungen in Zügen. "Qualität und Schnelligkeit, aber auch die Fertigung von kleinen Stückzahlen, sind wichtig für unseren Markterfolg", sagt Wagner. Erleichtert wird die Flexibilität und die Fertigung kleiner Chargen durch neue Computer gestützte Konstruktionen und die Laser-Schneidtechnik. "Das senkt die Kosten im Werkzeugbau", sagt Reinhold Wagner und sieht gute Perspektiven auch für die Zukunft.
Während häufig der Weg von Deutschland nach China geht, kann Reinhold Wagner von einem umgekehrten Weg berichten. Ende 2009 erhielt er den Zuschlag, Komponenten für einen Zug zu bauen, der unter Lizenz von Siemens in China gefertigt wird. "Wir liefern erst einmal für 1,5 Millionen Euro in drei Produktionslinien für den Velaro ICE III", berichtet Reinhold Wagner. Mehrere hundert Züge dieser Generation werden in den kommenden fünf Jahren in China gebaut.
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