Radevormwald: 2009 – Stadt operierte am offenen "life-ness"-Herzen
VON WOLFGANG SCHOLL - zuletzt aktualisiert: 31.12.2009Radevormwald (RPO). Bürgermeister aller Radevormwalder zu bleiben – das hat Bürgermeister Dr. Josef Korsten Ende August knapp geschafft. "Es wird immer schwieriger, je länger man im Amt ist", sagt er: Bei der Aufstellung des Haushalts und in der ersten Phase der politischen Konstituierung habe er versucht, trotz SPD-Mitgliedschaft die Überparteilichkeit in den Vordergrund zu stellen.
Korsten ist nach einigen Jahren als Beigeordneter 1997 zum Stadtdirektor gewählt worden und 1999, 2004 und 2009 zum hauptamtlichen Bürgermeister. Seine Amtszeit geht bis 2015. "Dann wäre ich seit den 20er Jahren der Bürgermeister mit der längsten Amtszeit", hat Ralf-Udo Krapp (CDU) als ältestes Ratsmitglied vor der ersten Ratssitzung errechnet.
Wie auch bei der Rede am 24. Dezember auf dem Marktplatz sieht Korsten im Busunglück am 22. September für sich das einschneidendste Erlebnis in 2009. Neben der Tragik für die Betroffenen, die Angehörigen und die Stadt habe ihn das Medieninteresse auch aus dem Ausland in den vier Tagen bis zur Trauerfeier geradezu erschreckt.
"Nur bei einem Unglück gerät man in die Schlagzeilen", weiß Korsten jetzt. Beeindruckend sei für ihn die Hilfe von etwa 200 Radern gewesen. Mit dem Abschluss der Trauerfeier habe er aber bewusst versucht, den Blick nach vorne zu richten, "in dem Gefühl, den Zusammenhalt der Menschen gesehen zu haben und deren Engagement manchmal auch über die Grenzen hinaus". Der neue Wupper-Bürgerverein habe für das Aufstellen des Gedenksteins die Initiative einiger Privatleute aufgegriffen.
Haushaltslage prekär
Wieder höhere Arbeitslosenzahlen. Das empfindet Korsten als bedrückend und bleibt ihm aus 2009 ebenfalls in Erinnerung. Die familiär geprägten Unternehmen wären aber trotzdem sehr verantwortlich mit den Menschen umgegangen. Das habe er immer wieder erfahren.
Auch sei für ihn positiv zu bewerten, dass sich der Rader Unternehmensmix in solch einer schwierigen Situation bewährt habe. "Darauf müssen wir auch 2010 setzen", sagt Korsten. Trotz der schwierigen Haushaltslage sei es 2009 wieder gelungen, einiges für die Lebensqualität und Zukunft der Stadt aufzubauen. Dazu zählt der Bürgermeister die Planung des Neubaugebiets Loh'sche Weide sowie den Bau der Aula, Mediothek und der nachgeschobenen Mensa.
2009 sei aber auch das Jahr des "life-ness"-Desasters gewesen. "Ich hoffe, es gelingt, nach dem Zusammenkehren der Scherben mit Vermeidung der Insolvenz, dem Center eine bessere Zukunft zu geben. Noch ist das Bad aber nicht stabilisiert", warnt er vor Euphorie, "aber es sieht positiver aus". Als Bürgermeister hofft er, dass der finanzielle Kraftakt dazu geführt hat, dass die Basis für das Alltagsgeschäft gelegt ist, "und wir nicht mehr am offenen Herzen operieren müssen".
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