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Radevormwald: Ärger um Kurzzeit-Zivis

VON HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 07.11.2009

Radevormwald (RPO). Die neue Bundesregierung will die Dauer des Zivildienstes ab 2011 auf sechs Monate verkürzen. Die Diakoniestation denkt jetzt darüber nach, Zivi-Stellen abzubauen. Andere können auf die kostengünstigen Helfer nicht verzichten.

Janosch Jung (l.) und Stefan Nickel im Einsatz. Sie laden das Essen der Diakoniestation im Wartburghaus ein und beliefern damit ihre Kunden.   Foto: RPO
Janosch Jung (l.) und Stefan Nickel im Einsatz. Sie laden das Essen der Diakoniestation im Wartburghaus ein und beliefern damit ihre Kunden. Foto: RPO

"Ich habe allergrößte Bedenken", sagt Dietmar Reuß, Leiter des Fachbereichs Soziales und Ordnung der Stadt Radevormwald. Vier Zivildienstleistende im Rettungsdienst gehören zu seiner Abteilung. "Drei Monate dauert die Ausbildung zum Rettungssanitäter. Wird die Zivildienstzeit von neun auf sechs Monate reduziert, lohnt sich eine solche Fortbildung doch nicht mehr."

Der Zeitfaktor ist auch für Uwe Kremers, Geschäftsführer der Diakoniestation Wartburghaus, entscheidend. "Von den sechs Monaten wären die Zivis mindestens sechs Wochen lang weg", sagt Kremers. Grund seien Einführungsveranstaltungen, dazu komme der Urlaubsanspruch. "Schon jetzt sind die Dienstzeiten grenzwertig", findet der Diakonie-Geschäftsführer. Er hofft darauf, dass auch in Zukunft viele Zivis ihre Verträge verlängern, also freiwillig mehr als sechs Monate Dienst tun. Kremer denkt aber auch darüber nach, Mini-Jobber einzustellen. "Eine 400-Euro Kraft hätte den Vorteil, dass sie langfristig bei uns bleiben kann", so Kremer. Allerdings sei das eine Kostenfrage, solche Helfer könnten im Gegensatz zu den Zivis nur stundenweise beschäftigt werden. "Und darunter leidet der Service", stellt Kremer klar.

Info

Zivildienst

Planung Laut Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung soll der Wehrdienst zum 1. Januar 2011 auf ein halbes Jahr reduziert werden. Daran wird der Zivildienst angepasst.

Zahlen Im Oberbergischen Kreis gibt es zurzeit 536 Zivildienstplätze in 183 Einrichtungen. Mit Zivildienstleistenden besetzt sind aber derzeit lediglich 373 Stellen, also etwas mehr als zwei Drittel (Stand: 1. November 2009).

Weiteres Vorgehen beraten

Auch im Curt-von-Knobelsdorff-Haus herrscht Ungewissheit über die Zukunft der fünf Zivildienststellen. "Im Dezember werden wir mit unserem Träger, dem Diakonischen Werk Düsseldorf, über das weitere Vorgehen beraten", sagt Verwaltungsleiter Andreas Marder. Problematisch sei die verkürzte Dienstzeit wegen dem hohen Aufwand bei der Einarbeitung: Im Fall einer Dienstzeitverkürzung müsste das Personal zweimal jährlich neue Kräfte anlernen, hinzu komme der Aufwand, in kurzen Abständen neue Zivis einstellen zu müssen. "Ich rechne mit Engpässen", sagt Marder.

Beim GWG Seniorenwohnheim Radevormwald sorgt sich Ulrike Tularitsch, Fachkraft im Sozialen Dienst, um fehlende Kontinuität: "Ein halbes Jahr verfliegt so schnell. Gerade haben sich die alten Menschen an ein Gesicht gewöhnt, da kommt auch schon ein neuer Zivi." In der Einarbeitung sieht sie nicht das Problem, denn im Sozialen Dienst gehe es eher darum, für die Menschen da zu sein als um pflegerische Kompetenz. "Aber es muss ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden – und das braucht Zeit." Schon länger beobachtet Tularitsch, dass die Zahl der Zivi-Bewerbungen zurückgeht – "wir sind dauernd auf der Suche", sagt die Pflegefachkraft. Dass sich diese Situation verschlimmern könnte, glaubt auch Daniela Sappok, Pflegedienstleiterin im Johanniter Krankenhaus. "Da wird es Lücken geben", sagt sie. Auf die Zivis könne aber nicht verzichtet werden: "Das sind zwei helfende Hände mehr, und die brauchen wir dringend."

Quelle: RP

 
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