Radevormwald: "Angst – ja, aber ich vertraue"
VON WOLFGANG SCHOLL - zuletzt aktualisiert: 22.05.2010Radevormwald (RPO). Als stellvertretender Vorsitzender des Bundestags-Finanzausschusses war der oberbergische CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Flosbach in dieser Woche täglich 16 Stunden mitten im Berliner Geschehen. Sogar das Wort Billion fiel.
Über Tage war Klaus-Peter Flosbach nicht zu erreichen. "Eine Sitzung jagte die nächste", sagte der oberbergische CDU-Vorsitzende gestern Nachmittag. Morgens um 7.30 Uhr ging es los, "bis Ende offen, so um die 16 Stunden", sagte er. Und zu jeder Minute standen hohe Summen im Fokus. Die Milliarden seien ihm aber trotz der zahlreichen Sitzungen noch nicht über die Bettdecke gekrochen.
"Klar habe ich bei solchen Summen, über die wir gesprochen haben, auch Angst. Ja, aber ich vertraue", sagte Flosbach, der in Berlin zur Gruppe der "Finanzer" gehört und als Parlamentarier in dieser Woche mittendrin im Entscheidungsprozess war. Deshalb habe er auch für den Rettungsschirm votiert.
Ich kann die Sorgen verstehen
Im Gegensatz zu den "Haushaltern", die im Haushaltsausschuss für die Verteilung der Mittel zuständig sind, spielt für Flosbach auch die internationale Seite eine große Rolle. "Und da fiel das Wort Billion, tausendmal eine Milliarde." Weitere Größenordnungen waren der Bankenrahmen von 480 Milliarden Euro, die 148 Milliarden für Griechenland und der 750 Milliarden-Euro-Gesamtrahmen für Europa.
Flosbach sitzt seit seiner ersten Wahl 2002 im Finanzausschuss und hat immer Millionen und Milliarden im Blick. Der Etat Deutschlands beträgt 320 Milliarden Euro. "Aber diese Woche war noch stressiger", sagte Flosbach, "ich kann die Sorgen der Leute bestens verstehen. Auch in meinem Privatleben spielen Hunderter oder höchstens mal Tausender eine Rolle."
Am Montag zum Start hat Flosbach für seinen Ausschuss die Finanzmarktkonferenz geleitet. Danach wechselten sich Gespräche und Konferenzen mit Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, mit Bundesbankpräsident Professor Weber und zahlreichen Wissenschaftlern und Finanzexperten ab.
Info an die Bürger
Kommt man da überhaupt zum Essen, und nimmt man ab? Das sei zwar Stress pur, zumindest manche Abendtermine könne man mit einem Essen verbinden. "Am Mittwochabend bei der Finanzmarktkonferenz gab es etwas und auch am Donnerstag beim letzten Termin mit Steuerberatern", sagte Flosbach.
Gestern Nachmittag nutzte er einige freie Minuten nach der Bundestagssitzung, um mit den Mitarbeitern seines Büros über die Entscheidungen und die Sorgen der Bürger zu sprechen. "Ich habe noch mehr Briefe und Zuschriften als sonst erhalten. Ich konnte sie bisher nicht beantworten. Gestern haben wir einen Standardbrief entworfen, der auch als Mail rausgeht", sagte Flosbach. Mehr gehe im Moment nicht.
Gestern Abend ging es für den CDU-Bundestagsabgeordneten zurück zur Familie nach Oberberg. "Die Leute wollen mich hier sehen. Der Samstag und der Montag sind mit Oberberg-Verpflichtungen gebucht, der Sonntag soll zum Ausspannen dienen", plante er gestern.
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