Radevormwald: Betriebsratsvorsitzenden fristlos gekündigt
zuletzt aktualisiert: 03.02.2010Radevormwald (RPO). So etwas hat Oliver Heinrich noch nicht erlebt. Der Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) in Düsseldorf setzt sich zurzeit ganz besonders für Ersin Özgen ein. Der 45-Jährige war acht Jahre Betriebsratsvorsitzender der Rado Gummi GmbH in Radevormwald. Im November erhielt der dreifache Familienvater die fristlose Kündigung der Geschäftsleitung – wegen angeblicher Arbeitsverweigerung.
"Absolut vorgeschoben, da ist nichts dran, Özgen ist nur seiner Betriebsratsarbeit nachgegangen. Außerdem macht der Geschäftsführer seit vielen Jahren Stimmung gegen den Betriebsrat und die Gewerkschaft", kritisiert Heinrich. Die Firma könne dem Betriebsratsvorsitzenden nur fristlos kündigen, wenn der gesamte Betriebsrat zustimmt. Das sei nicht passiert.
Die Gewerkschaft setzte beim Arbeitsgericht Wuppertal eine einstweilige Verfügung durch, nach der Özgen ungehindert Zugang zum Betrieb bekommen muss. "Doch obwohl die Kündigung aus Formgründen unwirksam ist, besteht die Firma auf das Hausverbot und hat Beschwerde beim Landesarbeitsgericht eingereicht", sagte Heinrich. Da bis Mai ein neuer Betriebsrat gewählt wird, vermutet Heinrich eine Hinhalte- und Verzögerungstaktik der Geschäftsleitung, damit Özgen nicht wiedergewählt wird. "Der Geschäftsführer erscheint nicht zu Gerichtsterminen, Verhandlungen müssen vertagt werden", sagte Heinrich. Daraufhin habe die Gewerkschaft Strafanzeige gestellt. Nächster Termin für eine Verhandlung, die klären soll, ob die Kündigung rechtens war, ist am 28. Februar.
Ersin Özgen lebt zurzeit von Hartz-IV. "Es hat mich hart getroffen, und es kam so plötzlich", sagte er. Er wolle um seine Stelle kämpfen – alleine schon wegen seiner Familie. 14 Jahre arbeitete er für das Unternehmen, das 2009 sein 50-jähriges Bestehen feierte und sich laut Internetauftritt auf die Produktion von Fluor- und Silicone-Kautschuk, seine Veredelung, Granulate und präzise Rohlinge spezialisiert hat.
Özgen würde gerne in sein Büro, wurde aber immer wieder des Hauses verwiesen. "Ich habe niemanden geschlagen und keinen bestohlen, deshalb verstehe ich das nicht", sagte er. Er wisse allerdings, dass auch seine Vorgänger mit Schikanen und Verunglimpfungen leben mussten.
Zu dem schwebenden Verfahren wollte sich das Unternehmen gestern auf Anfrage der BM nicht äußern. "Wir geben keine Auskünfte, weil das sehr interne Dinge sind, da wollen wir nichts rauslassen", sagte Burkhard Huckenbeck, Mitglied der Geschäftsleitung. Auch die Vorwürfe der Gewerkschaft wolle man nicht kommentieren.
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