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Radevormwald: Busfahrer ist unter den Toten

VON SEBASTIAN RADERMACHER UND CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 22.09.2009 - 17:32

Radevormwald (RPO). Schwerer Verkehrsunfall in Radevormwald (Bergisches Land bei Wuppertal): Auf der Wuppertalstraße (L414) ist am Dienstagmittag gegen 12 Uhr ein Bus rund 20 Meter tief in die Wupper gestürzt. Dabei sind fünf Personen ums Leben gekommen. Unter ihnen ist auch der Fahrer des Busses.  

Nach Polizeinformationen ist auch der 45-jährige Busfahrer aus Velbert bei dem Unglück ums Leben gekommen. Neben dem 45-Jährigen sind vier weitere Insassen bei dem Unfall getötet worden. Bei den Toten handelt es sich um einen Mann (70) und eine Frau (71) aus Schwerte, einen 38-Jährigen Radevormwalder sowie eine noch nicht identifizierte Frau, deren Alter auf 70 Jahre geschätzt wird.

Die Einsatzkräfte sprechen zudem von einem Schwerverletzten und sieben Leichtverletzten. Unter den Verletzten befindet sich auch ein Jugendlicher. Kinder sind bei dem Unfall offenbar nicht getötet worden. Die Zahl der Toten könnte noch nach oben korrigiert werden.

Am späten Nachmittag ist es den Einsatzkräften gelungen, den Bus mit Hilfe eines Krans anzuheben und wieder auf die Räder zu stellen. Befürchtungen bestätigten sich nicht: Unter dem Bus lagen keine weiteren Toten. In dem Bus sollen etwa 15 Personen gewesen sein. Polizeisprecherin Lydia Nowak: "Zwei bis drei Personen haben den Unfall unverletzt überstanden."

Nach Angaben von Ersthelfern spielten sich dramatische Szenen am Unglücksort ab. Ein Augenzeuge, der gerade in der Nähe war, eilte sofort zur Unfallstelle. Grausam: Zwei weibliche Insassen krochen ihm blutverschmiert den Hang entgegen. Beide versuchten, mit ihren Mobiltelefonen den Notarzt zu alarmieren. Doch keine Chance. Ihre Finger zitterten vor Angst zu stark. Sie konnten die Tasten nicht drücken. Der Augenzeuge half den beiden Frauen und rief die Rettungskräfte.

Die Bergungsarbeiten des Busses gestalten sich insgesamt als schwierig.  Bäume und der abschüssige Hang erschweren die Arbeiten. Die Rettungsdienste versuchen mit Motorsägen den Bus vom Geäst zu befreien. Die Toten werden in weißen Säcken auf einer roten Trage die Böschung hochgezogen. Augenzeugen sprechen von dramatischen Szenen.

Unglücksursache noch völlig unklar

Noch ist völlig unklar, wie es zum schweren Unfall kommen konnte. Auf dem Straßenabschnitt gilt Tempolimit 60. Der Straßenverlauf im Bereich der Unglücksstelle ist übersichtlich.

Nach Informationen unserer Redaktion kam der Bus aus Richtung Wuppertal und stürzte in Radevormwald-Dahlerau rund 400 Meter nach der Haltestelle "Wuppermarkt" in einer lang gezogenen Linkskurve nach rechts eine rund 20 Meter tiefe Böschung hinunter. Demnach könnte überhöhte Geschwindkeit Ursache für das tragische Unglück gewesen sein. Auch ein technischer Defekt an den Bremsen kann wohl nicht mehr ausgeschlossen werden.  Bei der Polizei herrscht noch völliges Rätselraten, wieso der Fahrer die Kontrolle über den Bus verlieren konnte. "Es ist unverständlich, warum der Bus immer schneller wurde", meint Polizeisprecherin Lydia Nowak.

Informationen für besorgte Angehörige gibt es unter Tel. 02261/88 388 2-7!

Die Lage am Unfallort ist nach Polizeiangaben auch am späten Nachmittag immer noch unübersichtlich. Die Wuppertalstraße ist komplett gesperrt. Taucher suchen im Wasser nach möglichen Überlebenden und Toten. Rund 100 Helfer von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten durchkämmen das Ufer nach weiteren Opfern.  Seelsorger kümmern sich um die Überlebenden und Angehörigen. 

Das Rathaus in Radevormwald hat eine Hotline für Angehörige eingerichtet. Das Telefon steht dort nicht mehr still. Die Nummer ist fast ständig besetzt.  "Die Angehörigen sind in großer Sorge. Wir haben die Namen der Verletzten und helfen gerne weiter", so Dietmar Reuss, der die Anrufe im Rathaus entgegennimmt. Im Awo-Haus, Flurstraße 12, in unmittelbarer Nähe zum Unglücksort ist eine Hilfs- und Sammelstelle für Hinterbliebende, Opfer und Angehörige eingerichtet.

Busunternehmen steht unter Schock

Es handelt sich bei dem verunglückten Fahrzeug um einen Bus der Firma Klingenfuß, einem Busunternehmen aus Velbert. Die Busse dieses Unternehmens befahren die Linie 626 der Oberbergischen Verkehrsbetriebe von Wuppertal nach Redevormwald. "Ja der verunglückte Bus ist von uns", bestätigt Herbert Möltgen, Büroassistent des Busunternehmens Klingenfuß, auf Anfrage unserer Redaktion.

Das ganze Unternehmen stehe unter Schock. Alle fragen sich dort, wie so etwas passieren konnte. Der getötete Fahrer des verunglückten Busses galt als zuverlässig. "Er war einer unserer besten Fahrer und arbeitete schon sehr lange in unserem Unternehmen", erklärt Möltgen. Der Unglücksbus sei zudem erst in diesem Jahr in Betrieb genommen worden. "Der Bus ist fast neu. Ich schließe sowohl technisches als auch menschliches Versagen aus", so Möltgen.

"Als ob ein Haus zusammenstürzt"

Das Fahrzeug überschlug sich und blieb seitlich in der Wupper liegen. Der Bus habe an der Haltestelle noch angehalten und anschließend nur noch beschleunigt, heißt es. Zeugen sprachen von einem lauten Krachen. "Es hat sich angehört, als ob ein Haus zusammenstürzt", erzählt der 42-jährige Ferdinand Stock.

Mehrere Personen konnten sich selbst befreien und Rettungskräfte alarmieren. Viele Anwohner und Kunden eines angrenzenden Disounters eilten direkt zur Unfallstelle und leisteten Erste Hilfe.

Zurzeit sind Einsatzkräfte aus Radevormwald, Hückeswagen, Remscheid, Wuppertal und Ennepetal im Einsatz. Zudem sind vier Rettungshubschrauber, elf Rettungswagen und zahlreiche Notärzte ebenso wie Feuerwehr und DLRG vor Ort. Ein Kran aus Wuppertal befindet sich auf dem Weg zur Unglücksstelle.

Bereits vor 38 Jahren ereignete sich in der Nähe der jetzigen Unfallstelle ein folgenschweres Unglück (siehe Zusatztext). Damals prallte bei Dahlerau ein Schülersonderzug mit einem Nahgüterzug zusammen. Dabei wurden 46 Menschen getötet und 25 weitere verletzt. 

Krankenhäuser gut vorbereitet

Die umliegenden Krankenhäuser waren auf den Notfall gut eingestellt. Die Verletzten sind in örtliche Kliniken gebracht worden. Im Johanniter Krankenhaus in Radevormwald sind bisher drei verletzte Personen eingeliefert worden. Dort können bis zu vier Verletzte aufgenommen beziehungsweise zeitgleich behandelt werden. "Als wird die Nachricht von dem Unglück erhielten, haben wird sofort unsere aktuellen OP-Aktivitäten eingestellt und den OP-Raum für das Eintreffen der Opfer vorbereitet", erklärt Dr. Reinhold Hikl, Leitender Notarzt und Chefarzt, gegenüber unserer Redaktion.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) zeigte sich erschüttert von dem schweren Unfall, es handele sich um ein furchtbares Unglück, sagte Wolf am Dienstag bei einem Besuch am Unfallort. Sein ganzes Mitgefühl gelte den Hinterbliebenen der Opfer. Wolf dankte den Einsatzkräften. Sie hätten "unter schwierigsten Bedingungen mit großer Motivation gearbeitet", sagte er.


 
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