Radevormwald: Die neue Spielzeit ist ein "Kampf"
zuletzt aktualisiert: 23.11.2009Radevormwald (RPO). Der Ausspruch von Berthold Brecht ist viel zitiert: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren." Weil sich das Kämpfen lohnen kann, hat sich das Rheinische Landestheater Neuss für die Spielzeit 2010/2011 dieses Thema auf die Fahnen geschrieben. Gestern wurde die 62. Spielzeit des Kulturkreises vorgestellt. Die erste Aufführung ist das Stück "Verwirrungen des Zöglings Törleß" von Robert Musil. Das Schauspiel, das aufgrund seiner drastischen Darstellungen als Skandalstück gilt, wird am kommenden Mittwoch, 25. November, ab 19.30 Uhr, im Bürgerhaus aufgeführt.
Rote Blöcke als Kulisse
Wie unterschiedlich das Motto "Kämpfen" beleuchtet werden kann, stellt Intendantin Bettina Jahnke im Programmheft dar: "Kämpfen heißt aufbegehren, sich wehren, Widerstand leisten. Es ist produktiver, für etwas zu kämpfen als gegen etwas." Rote Blöcke – mal Mauer, mal Podest – dienten den Schauspielern gestern als Kulisse für die unterschiedlichen Facetten des Kampfes. Schillers "Verschwörung des Fiesco zu Genua" bildete den Auftakt der Präsentation. Ein Mann, der bereit ist, den Despoten zu stürzen und mit seinem Ränkespiel selbst zu einem Tyrannen werden könnte, ist das Thema des Dramas. "Vom Kampf mit höheren Mächten" erzählt der Balladenabend. Von "einem der auszog das Fürchten zu lernen", berichtet das Weihnachtsmärchen für Kinder. Letzteres ist vor allem Ermutigung "sich nicht einschüchtern und vom scheinbaren Schrecken beeindrucken zu lassen". Das Stück Freiheit, dass es damit zu gewinnen gilt – und nebenbei die Königstochter –, liegt dem Ensemble besonders am Herzen.
Augenzwinkernd war auch die Präsentation von Oscar Wildes "Ein idealer Gatte". Der kommt durch Insidergeschäfte zum Wohlstand; die Gattin, mit der sein bester Freund anbändelt, kommt dahinter. Kämpfe um Mann und Macht in früheren Zeiten, das ist Thema von Schiller bis Wilde. Den Alltagskampf beim Sozialamt zu bestehen, ist eines der Alltagsstücke, die das Ensemble aufgelegt hat. "Kaspar Häuser Meer" heißt das prämierte Stück von Felicia Zeller, das von drei Schauspielerinnen in einer szenischen Lesung dargestellt wurde.
Lust auf mehr Theater gemacht
Satire und Komik, Drama und Märchen – neben den gestern gezeigten Szenen gibt es noch weit mehr Stücke im Programm des Landestheaters. Für welche sich der Kulturkreis entscheidet, wird die Spielzeit zeigen. Die gelungene Präsentation macht jedenfalls Lust auf mehr Theater. Und dass es für alle Generationen spannend ist, bewies das kleine Kind einer Schauspielerin. Das verbrachte die Vorführung ruhig auf dem Schoß der Intendantin, nicht nur vom Spiel der Mutter in den Bann gezogen.
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