Radevormwald: Die vergessenen Lesezeichen
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 16.07.2009Radevormwald (RPO). Hotelrechnung, Stadtplan, Geld: Im Urlaub muss so manches als provisorisches Lesezeichen herhalten. Die Stadtbücherei-Mitarbeiter fischen diese Urlaubs-Überbleibsel aus den Büchern – und wollen sie jetzt ausstellen.
Ein Hauch der großen, weiten Welt kommt immer wieder in die Stadtbücherei geweht. Mit den Schweden-Krimis, Liebesromanen oder Kindergeschichten. Wenn Christiane Stein-Hausmann, Leiterin der Bücherei, und ihre Kolleginnen die Seiten zurückgegebener Bücher durchblättern, riecht es manchmal noch ein bisschen nach Meer – und sieht auch so aus. Dann nämlich, wenn Meerwasser draufgetropft ist und sich dadurch die Seiten wellen. Oder wenn der Sand zwischen den Seiten herausrieselt. Manchmal kleben die Seiten auch zusammen – von der Sonnenmilch. "Kein Wunder, am Strand kann man sich ja nicht die Hände waschen", sagt Bücherei-Mitarbeiterin Sabine Unbehaun.
Wenn ein Buch zu stark beschädigt ist, müssen Aus- und Verleiher sich einigen. "Im schlimmsten Fall müssen die Kunden das Buch ersetzen", sagt Stein-Hausmann. Das komme aber nur in 15 bis 20 Fällen im gesamten Jahr vor – ein Schaden von rund 100 Euro.
Ausstellung geplant
Nach den Sommerferien wollen die Mitarbeiter der Stadtbücherei im Bürgerhaus eine Vitrine räumen und darin die als Lesezeichen zweckentfremdeten Überbleibsel aus den Urlaubs-Büchern ausstellen.
Das Stadtbücherei-Team zählt derzeit fünf Mitarbeiter, inklusive der Leiterin Christiane Stein-Hausmann.
Kontakt Schloßmacherstraße 4-5, Tel. 02195 932177, Fax: 02195 932179, E-Mail: buecherei@radevormwald.de.
Oft verraten die Kunden, wo sie im Urlaub waren, oder Stein-Hausmann und ihr Team erfahren durch andere Details, wo das entliehene Buch gewesen ist. In Ägypten, Australien, Neuseeland oder am Ostseestrand – mit den kleinen Körnchen rieselt ein Rest Urlaub auf den Boden der Bücherei. Aber das Bücherei-Team findet nicht nur Sand, Wasser und Sonnencreme-Spuren in den Büchern. "Im Urlaub ist ja oft kein Lesezeichen zur Hand", sagt Stein-Hausmann. Dafür werden dann verschiedene Dinge benutzt: Einmal fand die Bücherei-Chefin eine Eintrittskarte für den Eiffelturm oder für eine Kirche in Florenz. "Es ist auch schon vorgekommen, dass wir einen kleinen Stadtplan von Rom in einem Buch gefunden haben", erzählt Stein-Hausmann. Manchmal fischt das Bücherei-Team auch Rechnungen von Hotels oder Restaurants aus den Büchern. "Da kriegt man schon ein bisschen Fernweh", sagt Mitarbeiterin Unbehaun und lächelt. Auch handgeschriebene Notizzettel mit Tipps für Sehenswürdigkeiten oder Adressen von Restaurants und Visitenkarten liegen oft als provisorisches Lesezeichen im Urlaubsbuch. Bei Dingen, die wertvoll erscheinen, benachrichtigen die Bücherei-Mitarbeiter stets den Kunden. Das gilt auch für Dinge von rein persönlichem Wert, etwa geschriebene Postkarten, die nicht abgeschickt wurden.
Mitarbeiterin Natali Kloppert konnte vor einigen Jahren einmal ihren Augen fast nicht trauen. In einem zurückgegebenen Buch fand sie fünf 100-Mark-Scheine. "Da hat wohl jemand seine Reisekasse ganz sicher im Buch aufbewahren wollen", vermutet Kollegin Unbehaun. Der Besitzer zeigte sich erkenntlich: Für Natali Kloppert gab es einen kleinen Finderlohn.




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