Serie Mai 1949: Gewaltige Aufgabe für den Bürgermeister
VON ANDREAS SPEEN - zuletzt aktualisiert: 19.05.2009 - 16:08Serie Mai 1949 (RPO). Große Sorgen bereiteten dem Stadtrat in der ersten Sitzung nach Gründung der BRD die Flüchtlinge. Bürgermeister Osenberg setzte sich für sie und den Wohnungsbau ein.
Albert Osenberg ist der erste Bürgermeister in der Bundesrepublik Deutschland vor 60 Jahren gewesen – und er hatte in seiner zehnjährigen Amtszeit ein großes Arbeitspensum zu bewältigen. Als er am 29. März 1958 unerwartet verstarb, wurde er aus seinem unermüdlichen Wirken für Radevormwald, seine Heimatstadt, abberufen.
Die heute tätigen hauptamtlichen Bürgermeister werden seit 1999 von der Bevölkerung direkt gewählt, damals ist Albert Osenberg aus der Mitte des Stadtrates heraus in diesen nebenamtlichen Posten berufen worden. Am 8. November 1948 hatte Bürgermeister Robert Wagner noch einmal eine Ratssitzung eröffnet, deren dritter Tagesordnungspunkt die Wahl eines neuen Bürgermeisters war. Im Protokoll heißt es dazu: „Durch Zuruf wird der Stadtverordnete Albert Osenberg, Krankenhausstraße 27, vorgeschlagen.“ In der folgenden Abstimmung heben 16 Ratsmitglieder die Hand für ihn, drei stimmen gegen den CDU-Politiker.
300 Lagerflüchtlinge unterbringen
In den folgenden zehn Jahren hat Albert Osenberg, nach dem die Parallelstraße zu seiner damaligen Wohnstraße, der Krankenhausstraße, benannt ist, ein gewaltiges Aufgabenpensum als Folge der Kriegszerstörungen zu leisten. In der ersten Sitzung des Stadtrats nach der Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 wurde diskutiert, wie 300 Lagerflüchtlinge in Radevormwald untergebracht werden können. „Wenn auch durch bauliche und wohnungsamtliche Maßnahmen die Zahl der Flüchtlingsläger allmählich abnimmt, so erscheint es doch aussichtslos, die übrigbleibenden großen Familien unterzubringen, wenn die Bautätigkeit nicht noch wesentlich verstärkt wird“, wurde damals im Stadtrat beraten.
Vom ersten Radevormwalder Stadtdirektor der Bundesrepublik, Dr. Heinrich Krieger, nahmen die Stadtverordneten zur Kenntnis: „Dass aus ihrer Mitte demnächst Vorschläge zu einem örtlichen Wohnungshilfswerk vorgelegt werden sollen.“ Erfreut war man, dass Radevormwald vorerst keine weiteren Flüchtlinge zugewiesen bekommen sollte.
„Flüchtlinge waren damals ein großes Thema für die Politik“, erinnert die Stadtarchivarin Ulrike Künz. „Die Radevormwalder bekamen Einquartierungen, ob es ihnen gefiel oder nicht. Die Firma Wülfing hatte für sie beispielsweise eigene Baracken gebaut.“ Niemand habe vor 60 Jahren genau gewusst, wie viele Flüchtlinge in Radevormwald lebten. Eine eindrucksvolle Zwischenbilanz vom Juni 1954 für Bürgermeister Osenberg lautete: In den letzten vier Jahren waren in Radevormwald 711 neue Wohnungen entstanden. Genau das hatte er bei seiner Amtsübernahme 1948 angekündigt: Er nehme sich besonders des Wohnungs- und Flüchtlingswesens an.
„Er wird unvergessen bleiben“
In einer Traueranzeige der Stadt Radevormwald hieß es am 31. März 1958 über Albert Osenberg: „Durch seine warme Menschlichkeit und sein Verständnis für die Aufgaben der Stadt Radevormwald und für die Sorgen aller Teile der Bevölkerung wird er nicht nur in seiner Heimatstadt unvergessen bleiben.“
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