Radevormwald: Goethe inmitten weiblicher Planeten
VON SIGRID HEDDERICH - zuletzt aktualisiert: 19.02.2008Radevormwald (RPO). Johann Wolfgang von Goethe, eine strahlende Sonne, umgeben von zahlreichen Planeten – dieser Vergleich könnte trefflicher nicht sein. Sonntagabend brachte Dr. Walter Rosendahl die oft zitierte Schwäche des großen Dichters und Denkers zu schönen Frauen den Konzertbesuchern im Bürgerhaus näher. Das kosmische Gesamtbild unterstrich er in seiner Lesung auf recht unterhaltsame Weise und ließ dennoch viel Platz für die Phantasien jedes Einzelnen.
Das zweite Dozentenkonzert der Radevormwalder Musikschule, in dem Goethe, der Mann, samt Frauenwelt lyrisch wie musikalisch beleuchtet wurde, war gut besucht. Auf einer kleinen Bühne, unmittelbar neben der „großen Schwester“, zeigte sich ein gut abgestimmtes Dozententrio. Neben den vielen kleinen, zum Teil heiteren Lesungspunkten sang Frauke Mahlerwein bekannte Liedertexte des Dichters, begleitet von Musiklehrer Rainer Schrapers am Klavier.
Der Ort, „an dem die Musik spielte“, war recht ungewöhnlich. Zwar kommt die kleine Bühne hin und wieder bei Konzerten ins Spiel, jedoch war die Sitzrichtung des Publikums diesmal eine andere. Sie zeigte diagonal zur Hauptbühne. Wie die zwei Leiter der Musikschule bestätigten, war das Versetzen der Stuhlreihen unbedingt erforderlich, weil die dicken Bühnenvorhänge zu viele der schönen Töne verschluckt hätten. Ohne „Schluckbeschwerden“ zeigte das Trio eine informative Veranstaltung, die von schöner Musik gekrönt war. Dozentin Frauke Mahlerwein, Lehrerin der Gesangsklasse, erzählte mit ihrem unverwechselbaren Mezzosopran von romantischen Gefühlen, neuen Liebschaften wie auch sehnsuchtsvollem Herzschmerz. Dabei wurde deutlich, wie Goethe von der Schönheit der Weiblichkeit inspiriert wurde, und wie er es vermutlich sehr genoss, so umschwärmt zu werden.
Wie ein Kranz aus prächtigen Blüten reihten sich die Damenbekanntschaften aneinander. Wie Rosendahl wissen ließ, traf Goethe der erste Pfeil Amors schon im Alter von 17 Jahren. Rosendahl sprach von einer frivolen Leichtigkeit sowie verspielten Lyrik des Rokoko, mit der der Dichter den Damen entgegentrat. Das Lied „An Luna“ beschreibt die Affäre zu Anna-Katharina Schönkopf, das bekannte „Heideröslein“ die zu Friederike Brion. Jeder längeren Beziehung von Johann Wolfgang von Goethe wurde ein Lied gewidmet, dessen Text der große Meister schrieb und zu dem namhafte Komponisten die Musik setzten. Richard Strauss komponierte „Gefunden“, dessen Zeilen Goethe seiner Ehefrau Christiane widmete. Der musikalisch-lyrische Abend wurde von den Besuchern offensichtlich genossen. Feinherbe Erzählungen, schöner Gesang und harmonische Klavierbegleitung hatten ihre Wirkung nicht verfehlt.
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