Radevormwald: Grippe – Diagnose ohne Test
VON JOACHIM RÜTTGEN UND HANNA KOCH - zuletzt aktualisiert: 15.12.2009Radevormwald (RPO). Die Zahl der Schweinegrippe-Fälle sinkt. Auch beim Gesundheitsamt in Gummersbach werden immer weniger Impfdosen angefordert. Wer wissen will, ob er tatsächlich erkrankt ist, muss tief in die Tasche greifen.
63 Erkrankte
Statistik Die aktuelle Statistik des Oberbergischen Kreises weist 63 Erkrankte in Radevormwald seit dem 13. Juli nach. Insgesamt sind seitdem kreisweit 291 Personen an Schweinegrippe erkrankt.
Aktuell In der vergangenen Woche gab's in Radevormwald fünf neue Erkrankte.
Der Ansturm auf die Arztpraxen hat deutlich nachgelassen. Immer weniger Rader lassen sich gegen die Schweinegrippe impfen. Das sagt Ärztesprecher Dr. Klaus-Dieter Kohtz. "Es werden auch deshalb weniger Fälle gemeldet, weil akute Erkrankungen nicht mehr erfasst werden", erklärte der Mediziner.
Patienten mit Grippesymptomen müssen selbst zahlen, wenn sie wissen möchten, ob sie an der Schweinegrippe leiden. Kosten: 150 Euro, denn die Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Test nicht mehr. "Auf eigene Kosten hat sich bei mir aber noch niemand testen lassen", sagte Kohtz. Ende der Woche will er eine Statistik zusammenstellen, wie viele Radevormwalder sich haben impfen lassen. Schwerwiegende Nebenwirkungen nach der Impfung habe es bislang nicht gegeben. Davon sei bei einem Treffen der niedergelassenen Ärzte in der vergangenen Woche keine Rede gewesen.
Wer sich immunisieren lassen möchte, kann dies ohne lange Wartezeiten tun, denn die ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut hat die Empfehlung herausgegeben, keine Zweitimpfungen mehr durchzuführen. Bis Anfang Dezember galt, dass die erste Impfung mit einer zusätzlichen Dosis abgesichert werden muss. Von einem Schnelltest (Kosten: etwa 20 Euro) rät Dr. Thomas Bauer, Leiter des Ärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes des Oberbergischen Kreises, ab. "Dieser Abstrich ist nicht aussagekräftig", sagte er. Die wesentlich aufwändigere und teurere Untersuchung werde bei chronisch Kranken und Patienten, die auf Medikamente nicht reagieren, kostenlos durchgeführt.
In Gummersbach werden seit einigen Tagen deutlich weniger Impfdosen angefordert. Vorräte sind noch vorhanden, und der Impfstoff kann nach Angaben von Bauer jederzeit nachgeordert werden.
Sorgen macht sich Bauer, weil vor allem Mitarbeiter im Gesundheitswesen sehr zurückhaltend auf die Impfung reagieren. "Völlig unverständlich, denn das Personal arbeitet mit Kranken zusammen. Menschen, die zu Hause einen Patienten pflegen, haben dagegen sehr wohl den Sinn einer Impfung verstanden", sagte Bauer. Mit Appellen käme er nicht weiter. Er versuche, auf der persönlichen Schiene und mit viel Aufklärung, Werbung für die Impfung zu machen.
Einige Ärzte behandeln Grippepatienten mittlerweile so, als ob sie Schweinegrippe hätten und geben ihnen ein Merkblatt mit Verhaltensregeln mit nach Hause. "Es ist sinnvoll, über Hygienemaßnahmen zu informieren", sagte Bauer.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



