Radevormwald: Gürteltier am Gurt
VON STEFAN KAUFMANN - zuletzt aktualisiert: 23.11.2006Radevormwald (RPO). Heute endet die landesweite Anschnall-Aktion des Innenministeriums. Gestern waren einige Polizeibeamte, die im Kreis für Verkehrssicherheit zuständig sind, in Rade. Sie sprachen mit Eltern und beschenkten die Kinder.
Jakob bekommt in seinem Kindersitz Gesellschaft. Gordan, das Gürteltier hängt sich auf der Rückbank an den Anschnallgurt. Seine Mahnung: „Schnall dich an, sonst bist du dran!“ Und dann fliegst bei der nächsten Vollbremsung durch die Scheibe. „Die Gurte retten Leben“, betont Polizeioberrat Lutz Becker, der eine landesweite Anschnall-Aktion des Innenministeriums im Oberbergischen Kreis koordiniert.
Jakob erntet nur Lob von den Polizisten. Oder vielmehr seine Mutter Karen Schwarzer. Sie hat ihr 19 Monate altes Kind vorschriftsmäßig und sicher in seinem Sitz angeschnallt. „Das ist für mich selbstverständlich“, sagt die Fahrerin aus Hückeswagen, die gestern das erste Mal von der Polizei aus dem Verkehr gewunken wurde. Umso erfreuter nimmt sie das Gummi-Gürteltier in Empfang.
Unfall-Statistik
Oberbergischer Kreis In diesem Jahr (bis 31. Oktober) nahm die Polizei 42 Unfälle auf, bei denen Kinder zu Schaden kamen, weil sie nicht angeschnallt waren. Davon waren 39 leicht und drei schwer verletzt.
Radevormwald Zwei Kinder leicht und eines schwer verletzt (2005: fünf Leichtverletzte).
Hückeswagen Drei Leichtverletzte (2005: fünf Leichtverletzte).
An drei Tagen verteilen die für Verkehrssicherheit zuständigen Beamten 1740 „Gordans“ im ganzen Kreis. Den Service komplettiert: ein kurzes Gespräch am Autofenster, eine Info-Broschüre für daheim. „Das Tier soll die Kinder schon beim Einsteigen daran erinnern, dass sie sich anschnallen müssen“, sagt Hauptkommissar Kalle Mülling. Daher auch der Name „Gurt an“, oder eben auf Platt: „Gordan“.
Insbesondere vor Grundschulen und Kindergärten postieren sich die Sicherheits-Experten der Polizei. Gestern sprachen sie die Eltern an, die ihre Kleinen von der Wupperschule abholten. Danach ging es an der Keilbecker Straße weiter. Diese gezielte Aktion ist ein Mosaiksteinchen im Gesamtbild Verkehrssicherheit.
„Wir praktizieren einen Mix aus Repression und Prävention“, sagt Lutz Becker, der die Direktion Verkehr leitet. Auf der einen Seite Kontrollen, die derzeit verstärkt durchgeführt werden. Ein Bußgeld von 40 Euro zahlt jeder, der unangeschnallt im fahrenden Auto sitzt. Einen Punkt im Flensburg gibt es als Dreingabe. Auf der anderen Seite gehen Polizisten in die Schulen, bieten Fahrradparcours an, sprechen mit Eltern und Kindern.
Ziel ist es in diesem Fall, die Anzahl der Kinder, die bei einem Unfall zu Schaden kommen, weil sie nicht angeschnallt waren, zu minimieren. Das Augenmerk liegt daher vor allem auf Unfallschwerpunkten. Während Rade und Hückeswagen gut abschneiden, werden in Wiehl und Marienheide deutlich mehr Gummi-Gordans verteilt.
Im Landesvergleich stehe der Oberbergische Kreis allerdings spitze da, meint Becker. Was er auf die gute Arbeit seiner Beamten zurückführt, die alle Verkehrsteilnehmer für das Thema sensibilisierten. „Erwachsene sind natürlich die Vorbilder“, sagt der Polizeioberrat. Aber es käme auch vor, dass die Kinder ihre Eltern ermahnten, sich doch bitteschön anzuschnallen.
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