Radevormwald: "Haus Thiele" – Pflege mit 1,6 benotet
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 08.04.2010Radevormwald (RPO). Geschäftsführung und Gesellschafter des Alten- und Pflegeheims "Haus Thiele" wehren sich gegen Vorwürfe des Betriebsrates. Dessen Anwältin Christel Karin Schwarz-Feuring hatte von Kündigungsdrohungen, anonymen Aushängen und persönlichen Attacken berichtet (die BM berichtete am Samstag).
Seit fast einem Jahr laufen arbeitsgerichtliche Verfahren, "zu deren Details wir uns aber mit Rücksicht auf das schwebende Verfahren nicht äußern wollen", erklärte nun gestern Gesellschafterin Carmen Sieckendieck im BM-Gespräch.
Entscheidend sei, dass Schwierigkeiten mit einzelnen Mitarbeitern keine Auswirkungen auf die Qualität der Pflege hätten. "Die hat nicht gelitten, und das soll auch so bleiben", betonte Geschäftsführerin Thordis Treichel. Vor einer Woche hatte der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) seinen Transparenzbericht vorgelegt – darin schneidet "Haus Thiele" mit der Note 1,6 ab. Der Landesdurchschnitt liegt laut Treichel bei 2,4. "Wir leisten eine hervorragende Qualität", sagte auch ihre Kollegin Marion Hager-Blücher. Eine Befragung der Bewohner zu den Pflegeleistungen habe sogar die Note "1" ergeben. Dass einige Mitarbeiter seit 20 Jahren und länger in Keilbeck arbeiten, beweise im Übrigen, "dass die Arbeitsbedingungen so schlecht nicht sein können".
Es habe schon ein Amtsenthebungsverfahren gegen die Vorsitzende des Betriebsrates gegeben. Den Antrag darauf hatten nach BM-Informationen 28 von 78 Mitarbeitern unterschrieben, mangels Beweisen wurde die Sache vertagt. "Wir haben daraufhin eine Mediation angestrebt. Drei Vorschläge von uns für einen Mediator hat die Gegenseite abgelehnt, darunter den Inhaber eines Lehrstuhls für Moraltheologie und Direktor eines Ethik-Institutes an einer Philosophisch-Theologischen Hochschule", sagte Carmen Sieckendieck. Bis 15. April müsse das Gericht nun einen Mediator benennen.
Unterdessen startete die Gesellschafterin eine Unterschriftenaktion an der Wupper, einige Persönlichkeiten aus dem Ort unterschrieben den Satz: "Wir Wupperaner dulden nicht, dass das Haus Thiele in der Öffentlichkeit schlecht gemacht wird!" Die Behauptungen der Anwältin des Betriebsrates seien haltlos und unwahr. Die "Verleumdungen" hätten alle entsetzt.
Carmen Sieckendieck hat in den vergangenen Wochen viel mit Mitbewohnern, Beschäftigten und Angehörigen gesprochen. "Hier läuft alles richtig toll und super", sagt sie. Alle seien zuversichtlich, die Probleme bald lösen zu können.
Thordis Treichel glaubt, "dass ein Betriebsrat eine Bereicherung sein kann, um als Sprachrohr für die Mitarbeiter zu fungieren. Und wir haben uns auch eine gute Zusammenarbeit erhofft", sagt sie. Niemand im Haus habe etwas gegen einen Betriebsrat. "Die Zusammenarbeit gestaltet sich derzeit aber nicht so, wie es sein sollte", sagte Gesellschafter Jürgen Sieckendieck. Seine Mutter möchte nur, "dass die Beschäftigten hier in Ruhe arbeiten und die Bewohner in Ruhe leben können. Wir wollen reden und den Streit schnellstmöglich beenden."
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